mercredi 19 janvier 2011

After Work - Aus: Losarbeiten Arbeitslos

 Globalisierungkritik und die Krise der Arbeitsgesellschaft, Okt. 2005, Unrast Verlag

In den 1980er Jahren hatte sich angesichts der sich abzeichnenden »Krise der Arbeit« der Begriff »Arbeitsgesellschaft« als eine andere Bezeichnung für die moderne kapitalistische Gesellschaft eingebürgert. Er trifft den Nagel den Kopf. Dieser Terminus bringt das Wesen der Gesellschaft, in der wir leben, sogar weit präziser auf den Punkt, als es seine Urheber geahnt haben. Die moderne Warengesellschaft ist nicht nur die Arbeitsgesellschaft par excellence in der Geschichte, weil sie der Produktion einen höheren Stellenwert einräumt als alle anderen Gesellschaften. Streng kategorial genommen, ist der Begriff »Arbeitsgesellschaft« prinzipiell sogar für sie zu reservieren. Die moderne Warengesellschaft ist die einzige Arbeitsgesellschaft, die es je gegeben hat und die es je geben wird.

Arbeit als Einfalt und Selbstzweck

Natürlich kommt keine menschliche Gesellschaft umhin, der Natur das abzugewinnen, was sie zur Befriedigung ihrer (elementaren) Bedürfnisse benötigt. Die banale Tatsache, dass Menschen in einen aktiven Naturbezug treten müssen, macht aber noch lange nicht jede Gesellschaft zur Arbeitsgesellschaft. Um sich für diesen Titel zu qualifizieren, bedarf es schon einer viel spezifischeren und weitergehenden ›Leistung‹, die nur der Kapitalismus und sein realsozialistischer Stiefbruder zuwege brachten. Die Arbeitsgesellschaft unterliegt dem merkwürdigen Zwang, die breite Palette der unterschiedlichsten produktiven Bezüge des Menschen auf die Natur in ein und dieselbe Tätigkeitsform namens »Arbeit« zu pressen. In allen Gesellschaften haben Menschen geschneidert, Nahrungspflanzen angebaut und sich um Behausungen gekümmert, aber nur die moderne Warengesellschaft bringt es fertig, dies alles auf ein und dasselbe zu reduzieren, auf den streng durchökonomisierten Einsatz von Muskel, Nerv und Hirn. Erst diese praktische Gleichsetzung zu austauschbarer menschlicher Energieverausgabung überhaupt macht aus den vielen sinnlich-stofflich unterschiedlichen Tätigkeiten konkurrierende Darstellungsformen der Abstraktion »Arbeit«. Damit aber nicht genug. Gleichzeitig erhebt die moderne Warengesellschaft diese seltsame, von ihrem konkret-stofflichen Inhalt abgelöste Tätigkeitsform schlechthin zum strukturellen Selbstzweck. Für das Funktionieren der kapitalistischen Gesellschaft ist es keineswegs entscheidend, ob sie mit dem geschaffenen stofflichen Reichtum die vorhandenen Bedürfnisse erfüllen kann. Ihr Wohlergehen hängt vielmehr davon ab, inwieweit die Güterproduktion auf dem jeweiligen Produktivitätsniveau hinlänglich Gelegenheit zur betriebswirtschaftlich organisierten Verwandlung menschlicher Energie in »tote Arbeit« bietet. Im warengesellschaftlichen Bezugssystem werden Menschen nicht der Bedürfnisbefriedigung wegen tätig. Daseinsberechtigung hat der stoffliche Reichtum überhaupt nur als Träger verausgabter Arbeit, als Träger von Wert.
Angesichts dieser seltsamen Verkehrung bekommt der gesellschaftliche Reichtum nicht nur einen absurden Inhalt, der nicht in entwickelten sozialen Beziehungen und einem hohen Niveau der Bedürfnisbefriedigung besteht, sondern sich in Geld bemisst. Auch nach seinem eigenen Kriterium unterliegt der arbeits- und warengesellschaftliche Reichtum einer absonderlichen Entwicklung. Denn wenn die Produktivkraftentwicklung die Arbeit zunehmend überflüssig macht, dann wird die Warengesellschaft damit nicht reicher, sondern droht vielmehr zu verarmen. Ihr steht nämlich weniger (durch Arbeitskraftverausgabung gedecktes) Geld zur Verfügung.1

Die patriarchale Arbeitsreligion

Der Marxismus hing der Idee an, die kapitalistische Form der Reichtumsproduktion würde aus ihrem Selbstlauf heraus diese Gesellschaft an die Schwelle zur Emanzipation führen. Indem das Kapital die Industrie zur Grundlage der Reichtumsproduktion macht, so das marxistische Credo, schaffe es die materiellen und sozialen Voraussetzungen einer von allem Mangel befreiten Gesellschaft und rufe gleichzeitig die zur Umsetzung des sozialistischen Ziels auserwählte gesellschaftliche Kraft auf den Plan, das Proletariat.
Mit seinem Gottvertrauen in den Selbstlauf der kapitalistischen Entwicklung stand der Marxismus alles andere als allein auf weiter Flur. Das ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert war insgesamt ein Zeitalter des ungebremsten Fortschrittsoptimismus, das sich von der Weiterentwicklung der Ratio und vom Siegeszug der modernen Technik den Himmel auf Erden erhoffte. Während aber die ›bürgerliche‹ Konkurrenz primär auf die Leistung der Naturwissenschaft bei der Naturbeherrschung setzte, inthronisierte der Marxismus als demokratische Variante der Fortschrittsreligion die Arbeit als den eigentlichen Garanten einer lichten Zukunft. Das Kapital, so marxistisches Credo, vertrete bloße Sonderinteressen. Die Arbeit sei dagegen der wahre Träger des Triumphes der Menschen über die Natur, an der jeder Mann durch sein produktives Schaffen Anteil habe. Die durchrationalisierte, auf ihren funktionalen Kern reduzierte kapitalistische Tätigkeitsform wurde als Inbegriff menschlichen Tuns schlechthin gefeiert und stieg auf diese Weise zugleich zum Unterpfand des Erfolgs der sozialistischen Sache auf. Der Sieg der Emanzipation schien in den Augen des Marxismus unaufhaltsam, weil er glaubte, mit der Macht der Arbeit die massenwirksam und praktisch gewordene »reine Vernunft« gegen die bornierten kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse in Stellung bringen zu können.2
Die Annahme, Industriearbeit und kapitalistische Herrschaft müssten sich letztinstanzlich als unvereinbar erweisen, war theoretisch von vornherein auf Sand gebaut. Es dauerte allerdings viele Jahrzehnte bis nach langen wechselvollen Kämpfen sich diese Erwartung auch praktisch, an der realen Entwicklung blamiert hatte. Umso eindeutiger fiel dann aber das Ergebnis aus: Der Kampf für das Recht der (Industrie)Arbeit und ihres gesellschaftlichen Trägers, der Arbeiterklasse3, mündete keineswegs in die von Marx erwartete Rebellion gegen alle Verhältnisse, in denen der Mensch als ein »geknechtetes Wesen« leben muss. Der Vormarsch des Fabrikregimes und die Erfolge der Arbeiterbewegung verhalfen mit der Figur des weißen, männlichen Normalarbeiters stattdessen einer hochgradig (selbst)repressiven und zerstörerischen Existenzweise zur gesellschaftlichen Vorherrschaft.
Die Arbeiterklasse – eine Klasse von Arbeitskraftbesitzern – untergräbt keineswegs die Fundamente der Herrschaft des Menschen über den Menschen, wie der Marxismus dachte, sondern vielmehr die ökologischen Grundlagen und leistet ihren Beitrag zur Neufundierung patriarchaler Herrschaft. Die durchrationalisierte Arbeit folgt genauso einer patriarchal-männlichen Logik4 wie die gegenüber allem Sinnlichen gleichgültige Vernunft, die sich in ihr verkörpert.5

Vom proletarischen Arbeitsethos zum Arbeitsstolz der Reproduktionsarbeiterin

Die Linke trug dieser ernüchternden Wendung insofern Rechnung, als sie den Glauben an die Arbeiterklasse als Träger der Emanzipation spätestens am Ende der 1970er Jahre im Allgemeinen ad acta legte. Eine Schlüsselrolle spielte dabei neben der ökologischen Frage die feministische Kritik. Die Frauenbewegung insistierte völlig zu Recht darauf, dass die Hymne auf die industrielle Arbeit auf der Abwertung der im häuslichen Bereich geleisteten Tätigkeiten beruht.
Der Arbeiterbewegungsmarxismus kam zwar aus der Mode, die urmarxistische Vorstellung, die Emanzipation habe an der Eigenlogik der kapitalistischen Produktiventwicklung einen mächtigen Verbündeten, überlebte indes den »Abschied vom Proletariat« (André Gorz). Wenn nicht der Siegeszug der industriellen Arbeit den Weg zur Emanzipation frei mache, dann eben ihr Rückzug. Er setze »die Befreiung von falscher Arbeit« (Thomas Schmitt) auf die historische Tagesordnung, so die in der Diskussion um die »Krise der Arbeit« zu Beginn der 1980er Jahre vorherrschende Lehrmeinung. Eine Gesellschaft, in der der Primat der Erwerbsarbeit mangels Masse allmählich verblasst, wird andere, weniger repressive Vorstellungen von Tätigsein entwickeln als die für den Industriekapitalismus charakteristischen. Wenn das auf die Leitfigur des weißen männlichen Arbeitskraftverkäufers ausgerichtete fordistische Normalarbeitsverhältnis zum Auslaufmodell wird, dann rückt insbesondere die ›vergessene‹, der patriarchalen Arbeitsordnung entsprechend fast ausschließlich von Frauen geleistete Reproduktionsarbeit aus dem gesellschaftlichen Schatten. An den spezifischen Qualitäten weiblicher Arbeit orientierte und daher sozial und ökologisch verträglichere Formen des Tätigseins seien also dazu berufen, an die Stelle der Industriearbeit zu treten.

Repressive Feminisierung

Ein Vierteljahrhundert später erscheinen solche Erwartungen in einem seltsamen Licht. Aus der Prognose einer »Krise der Arbeit« ist eine Diagnose geworden. Anstatt den Stellenwert der Erwerbsarbeit zu relativieren, hat diese Entwicklung deren Bedeutung aber nur auf die Spitze getrieben. Noch nie war die Arbeitsgesellschaft so sehr und ausschließlich Arbeitsgesellschaft wie angesichts ihrer Krise. Keine Stellenbeschreibung, in der »weiche«, bis dato immer als »weiblich« klassifizierte Qualifikationen (Team- und Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität) mittlerweile nicht ganz oben rangieren würden. Die Arbeitswelt ist mit dieser Art von ›Feminisierung‹ aber keineswegs humaner geworden, sondern nur härter und totalitärer. Es reicht nicht mehr aus, acht Stunden am Tag zuverlässig die zugeteilten Aufgaben zu erledigen. Der ›ganze Mensch‹ ist jetzt im Konkurrenzkampf gefordert, und das im Prinzip rund um die Uhr. Das Normalarbeitsverhältnis ist in der Zwischenzeit tatsächlich auf breiter Front aufgebrochen. Früher randständige, typisch weibliche Beschäftigungsformen vermehren sich explosionsartig und ersetzen sozialversicherungspflichtige Arbeit. Das ermöglicht aber keineswegs eine reichere und auf die Bedürfnisse der Arbeitenden besser abgestimmte Lebensgestaltung, sondern bedeutet gewaltige Verarmungsschübe, von denen wiederum in erster Linie Frauen betroffen sind.
Den hoch fliegenden postindustriellen Emanzipationserwartungen der Linken in den 1980er Jahren erging es also noch übler als den industriellen Befreiungsträumen des Marxismus. Nicht zuletzt aufgrund der Kämpfe der traditionellen Arbeiterbewegung war die Verallgemeinerung des Fabrikregimes immerhin mit der Durchsetzung verbesserter Knechtschaftsbedingungen auf dem Boden kapitalistischer Herrschaft einhergegangen. Die Auflösung des klassischen Fabrikregimes führte dagegen zu einer nachhaltigen Verschlechterung der Reproduktionsbedingungen und zu tief greifenden Desolidarisierungsprozessen.
Dieses Desaster ist kein Grund, die Kritik am Normalarbeitsverhältnis und seinem patriarchalen Charakter zurückzunehmen, um die fordistischen Verhältnisse im Nachhinein nostalgisch zu verklären. Es wäre allerdings genauso verfehlt, die Emanzipationsvorstellungen der 1980er Jahre einfach fortzuschreiben und das Platzen der damaligen Träume als einen – bloß widrigen politischen Kräfteverhältnissen geschuldeten – Unglücksfall abzutun. Eine radikale Kritik der Arbeitsgesellschaft ist dringender denn je geboten, aber sie braucht ein tragfähigeres theoretisches Fundament.

Enttäuschte Hoffnungen

Warum platzten die von der 1980er-Linken in die »Krise der Arbeit« gesetzten Hoffnungen? Aus dem gleichen Grund, weshalb sich vorher die mit dem Siegeszug des Fabrikregimes verknüpften emanzipatorischen Erwartungen in Luft aufgelöst hatten. Trotz ihrer Kritik am produktivistischen Wahn und an der herrschenden Arbeitsversessenheit wandelte die Debatte um die Krise der Arbeitsgesellschaft auf der kategorialen Ebene – ohne es überhaupt zu bemerken – in den Fußstapfen des Arbeiterbewegungsmarxismus. Auch diepostmarxistische Linke verwechselte die Arbeit mit der menschlichen Naturbeziehung überhaupt und blendete ihren Charakter als spezifisch kapitalistische Tätigkeitsform aus. Ihre ökologische Kritik an der kapitalistischen Produktionsweise etwa blieb auf die Frage der Technik als solcher beschränkt und verkannte das dahinter stehende Problem der gesellschaftlichen Tätigkeitsform.
Diese analytische Fehlleistung ist direkt für das damalige Gottvertrauen in den emanzipativen Charakter der »Krise der Arbeit« verantwortlich. Das springt unmittelbar ins Auge, wenn wir einen Blick darauf werfen, wie die These vom absehbaren Bedeutungsverlust der Arbeit im Kapitalismus begründet wurde. Die Argumentation lässt sich im Wesentlichen auf einen einzigen Satz reduzieren: Die Rationalisierungsprozesse im Gefolge der mikroelektronischen Revolution machten die Arbeit für die stoffliche Güterproduktion zunehmend überflüssig, ergo sei die Arbeit drauf und dran, ihre gesellschaftliche Notwendigkeit zu verlieren.
Die Ausgangsbeobachtung einer unaufhaltsamen Verdrängung der lebendigen Arbeit aus der Produktion war natürlich völlig richtig und als Prognose aus heutiger Sicht auch ausgesprochen hellsichtig. Die stets als selbstverständlich unterschobene Schlussfolgerung, die Arbeit werde damit automatisch an Bedeutung einbüßen, macht dagegen überhaupt nur Sinn, wenn man sie zu einer rein stofflichen Naturbeziehung verklärt und so tut, als ginge es bei der kapitalistischen Produktion um die Schaffung stofflichen Reichtums und nicht um die Selbstzweckbewegung von Arbeitsverwertung, also die Verwandlung von Geld in mehr Geld über den Umweg der Produktion. Einem kritischen Blick hält diese Interpretation nicht stand. Solange der gesellschaftliche Zusammenhang auf Warenreichtum basiert, macht die massenhafte Verdrängung lebendiger Arbeit aus dem Produktionsprozess die Arbeit für das Funktionieren der Gesellschaft keineswegs überflüssig. Vielmehr gerät die auf Arbeit und Geld beruhende Gesellschaft damit in einen heillosen Selbstwiderspruch – mit verheerenden Folgen. Das Kapital hat den Drang, alle gesellschaftlichen Beziehungen in Kauf- und Verkaufsbeziehungen aufzulösen. Es ist aber gleichzeitig im Gefolge der mikroelektronischen Revolution der Produktivkraft drauf und dran, ausgerechnet die einzige Ware auf breiter Front zu eliminieren, durch deren Verkauf die breiten Massen als Teil des Warenbesitzer/innen-Universums agieren können, nämlich die Ware Arbeitskraft.
Ein emanzipatorischer Ausweg aus der durch die Verdrängung der Basisware der warengesellschaftlichen Ordnung entstandenen fundamentalen Krise öffnet sich nur, wenn diese Gesellschaft die Logik von Verwertung, Ware und Geld bewusst außer Kraft setzt, um neue Formen direkter Vergesellschaftung der Reichtumsproduktion zu entwickeln. Die Debatte um die Krise der Arbeitsgesellschaft konnte vor einem Vierteljahrhundert leicht optimistisch sein, weil sie von der herrschenden Verwertungslogik, die es in Frage zu stellen und abzuschaffen gilt, ganz einfach abstrahiert hat. Die notwendige Neubestimmung des gesellschaftlichen Reichtums lässt sich aber nicht durchsetzen, indem das emanzipative Lager die abstrakt-unsinnliche Logik von Ware und Geld ignoriert; eine Gesellschaft, die sich an sinnlich-stofflichen Kriterien statt am Geld orientiert und Reichtum als Beziehungsreichtum zur Natur und zum Mitmenschen begreift, muss erst einmal gegen den strukturellen Imperialismus von Geld, Ware und abstrakter Arbeit erkämpft werden.

Arbeit adelt?

Als Maß aller Dinge und imperiales Prinzip strahlt die kapitalistische Tätigkeitsform über ihren eigentlichen Gültigkeitsbereich hinaus auf andere Bereiche aus. Diese Ausstrahlungskraft lässt sich unter anderem an unseren Sprechgewohnheiten ablesen. Wer die Dignität einer nicht direkt der Wertverwertung untergeordneten Tätigkeit betonen will, erhebt sie ehrenhalber in den Arbeitsstand und macht sie damit dem nach warengesellschaftlichen Kriterien einzig relevanten Tun analog. Wer sich um den Haushalt kümmert, dem Nachbarn beim Streichen der Fenster hilft oder einen kritischen Gedanken zu Papier zu bringen sucht, verrichtet demnach ebenfalls »Arbeit«. Das Wort existiert im Alltag also in doppelter Bedeutung. Eng gefasst, steht es für die streng ökonomisierte, auf die Verausgabung von Muskel, Herz, Hirn reduzierte Tätigkeit, mit der Menschen ihr Geld verdienen. In einem übertragenen Sinn bezeichnet die Vokabel aber jedes ernsthafte Tun. Diese Doppelverwendung beseitigt natürlich nicht die grundlegende Differenz zwischen der Arbeit als direkter Teilhabe an der ökonomischen Sphäre und Tätigkeitsbereichen, die sich nicht als betriebswirtschaftlich oder staatlich organisierte Arbeitskraftverausgabung darstellen oder darstellen lassen. Auf dieser sprachlichen Unschärfe hat die Linke der 1980er Jahre ihr gesamtes Theoriegebäude errichtet, das diesen strukturellen, auf dem Boden der Warengesellschaft also unaufhebbaren Unterschied wegretuschiert.
»Die Krise der Arbeitsgesellschaft« war in der Debatte der 1980er Jahre eine Art von stehender Redewendung. Der Begriff wurde allerdings selten ohne – implizite oder explizite – Relativierung gebraucht: streng genommen sei keineswegs die Arbeit schlechthin in der Krise, sondern lediglich die »Erwerbsarbeit« – so die entsprechende Standardformel.
Diese Relativierung wurde damit begründet, dass eine vollautomatisierte Welt, in der Menschen nur als passive Anhängsel selbsttätiger Apparate existieren, nicht nur eine alptraumhafte, sondern zugleich eine unrealistische Vorstellung sei. So viel ist an diesem Argument natürlich richtig: Die Befriedigung der gesamten Palette menschlicher Bedürfnisse bleibt auch dann an menschliche Anstrengungen gebunden, wenn in der unmittelbaren Güterproduktion Maschinen weitgehend den Menschen ersetzen. Indem die Debatte der 1980er Jahre diese Tätigkeiten mit größter Selbstverständlichkeit mit der kapitalistischen Tätigkeitsform »Arbeit« auf eine Stufe stellte, verschwand aber der kapitalistische Selbstwiderspruch, Arbeitskraft betriebswirtschaftlichen vernutzen zu müssen und gleichzeitig die Arbeitskraft zu eliminieren. Der notwendige Bruch mit der gesellschaftlichen Zwangsform Arbeit schrumpfte auf eine bloße Umdefinition des Arbeitsbegriffs: Die Warengesellschaft soll Arbeit nicht mehr in ihrem eigentlichen, engen Sinn verstehen, sondern ihrer weiter gefassten, metaphorischen Bedeutung Geltung verschaffen.
Die Differenzierung von »Arbeit« und »Erwerbsarbeit« verhilft indes keineswegs der Vielfalt unbezahlter Tätigkeitenzu ihrem Recht. Indem diese Gegenüberstellung für alle direkt oder indirekt an der Schaffung des gesellschaftlichen Reichtums beteiligten Tätigkeiten den Arbeitsstatus einklagt, schreibt sie nur fest, was ihr entsprechend für alle Zeit das Vorbild menschlichen Handelns zu sein hätte, die kapitalistische Tätigkeitsform nämlich.

Abschaffung des Sonnenstaats – Auflösung des Schattenreichs

Im Zentrum der Neudefinition der Arbeit stand die weibliche Reproduktionstätigkeit. Das Fabrikregime hatte nur einen Bruchteil der für die gesellschaftliche Reproduktion unerlässlichen Tätigkeiten als Arbeit anerkannt und bei seiner gesellschaftlichen Kostenrechnung mit der weiblichen Reproduktionstätigkeit mindestens die Hälfte des für die Gesellschaft unerlässlichen Tätigkeitsvolumens unterschlagen. Das müsse sich ändern. Die familiäre Kinderbetreuung, ja das gesamte Spektrum hausfraulicher Tätigkeit sei offiziell als gleichberechtigter Bestandteil ins Arbeitsuniversum zu integrieren, so die eine Forderung; und die Zuschreibung »weicher«, angeblich »weiblicher« Qualitäten an die Frauen sei ebenso zu dekonstruieren wie die entsprechende Arbeitsteilung, so die andere.
Auf der Grundlage eines apologetischen unscharfen Arbeitsbegriffs ist dieses Ansinnen konsequent. Die Aufgabe der Emanzipation stellt es aber auf den Kopf. Denn dass die Arbeitsgesellschaft auf ein Reich von unbezahlten Schattentätigkeiten angewiesen bleibt, sagt alles über den beschränkten und parasitären Charakter der Arbeit als kapitalistischer Tätigkeitsform. Und dass dieses Schattenreich nur als Korrelat des Sonnenstaats der strukturell »männlichen« Arbeitsvernunft sein Dasein fristet, sagt alles über das patriarchale Wesen der Arbeit selbst. Die Existenz der Hausarbeit ist also vielmehr ein Grund, den Universalismus der Arbeit als falschen Universalismus zu entlarven. Wer stattdessen den falschen Universalismus über eine Neudefinition des Arbeitsbegriffs in einen richtigen überführen will, verliert sich in einer Donquichotterie.
Durchdränge die Arbeitsform alle Tätigkeiten gleichermaßen, würden Menschen immer und überall nur gegen Geld tätig, wäre alles Tun gleichermaßen nach dem Vorbild der kapitalistischen Tätigkeitsform durchökonomisiert und durchrationalisiert – wie das die Übernahme der Arbeitsvorstellung nun einmal nahe legt –, so würde jede Gesellschaft sofort kollabieren. Dass selbst die monetär am besten gestellten Staaten sich an einer auch nur halbwegs adäquaten Bezahlung der bisher unbezahlten Tätigkeiten ihrer Bürgerinnen überheben würden, ist dabei noch das geringere Problem. Schwerer wiegt etwas anderes: Die Verwandlung sozialer Beziehungen in Arbeitsbeziehungen stellt unweigerlich gerade das in Frage, was deren besondere Qualität ausmacht. Ob eine Küche des Geldes wegen oder aus anderen Motiven geputzt wurde, ist ihr natürlich nicht anzusehen; sobald Menschen ins Spiel kommen, sieht das aber anders aus. Das Verhältnis zu ihnen lässt sich nicht ohne desaströse Folgen auf die abstrakte Verausgabung von Muskel, Nerv und Hirn reduzieren und in ein ebenso abstraktes Zeitregime pressen. Wo diese Tätigkeiten der Arbeitsform tatsächlich unterworfen sind, funktionieren solche Bereiche in der Regel nur, weil und soweit die Beschäftigten ein der Arbeitslogik eigentlich fremdes emphatisches Element in die Arbeitswelt einschleppen. Die betriebswirtschaftliche Logik verlässt sich paradoxerweise darauf, dass die – nicht zufällig in der Regel weiblichen – Arbeitenden sie auf eigene Kosten nur gebrochen an ihre lebenden Arbeitsgegenstände weitergeben.
Bei der Diskriminierung der »Hausarbeit« und beim doppelbödigen Charakter sozialer Arbeit handelt es sich um ein Strukturmerkmal der Arbeitsgesellschaft. Weder eine Neufassung des Arbeitsbegriffs noch politische Nachkorrekturen werden die Unterordnung des »Anderen der Arbeit« in einem emanzipativen Sinn überwinden können. Nicht mit der Erweiterung des Arbeitsbegriffs, sondern allein im Rahmen einer radikalen Kritik des Zwangsprinzips Arbeit hört das Schattenreich der Reproduktionstätigkeit auf, bloßes Schattenreich zu sein, und erst mit der Entthronung der patriarchalen Arbeitsvernunft endet die Zwangszuweisung dieser Tätigkeiten an die Frauen.
1 Ausführlich dazu: Lohoff, Ernst (1995): Die harte Landung des Dollar. Von der währungspolitischen Pax Americana zum Weltmarkt ohne Weltgeld. Krisis – Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft 16/17, abrufbar unter www.krisis.org; Ders. (2000): Große Fluchten – Krise und Entwicklung des Kapitals. Weg und Ziel 1, abrufbar unter www.streifzuege.org; vgl. auch Kurz, Robert (1995): Die Himmelfahrt des Geldes. Strukturelle Schranken der Kapitalverwertung, Kasinokapitalismus und globale Finanzkrise. A.a.O.
2 Diese Argumentationslinie entwickle ich ausführlicher in: Lohoff, Ernst (2005): Die Verzauberung der Welt. Die Subjektform und ihre Konstitutionsgeschichte – eine Skizze. Krisis – Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft 29.
3 Ich verwende hier ganz bewusst die männliche Form. Begriffe wie das gender-gerechte »Arbeitendenklasse« vernebeln nur den patriarchalen Charakter der kapitalistischen Tätigkeitsform.
4 Ausführlich dazu: Scholz, Roswitha (1992): Der Wert ist der Mann. Thesen zu Wertvergesellschaftung und Geschlechterverhältnis. Krisis – Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft 12; Dies. (2000): Das Geschlecht des Kapitalismus. Feministische Theorien und die postmoderne Metamorphose des Patriarchats. Edition Krisis, Horlemann-Verlag, Bad Honnef.
5 Ausführlich dazu: Wedel, Karl-Heinz (2003): Die Höllenfahrt des Selbst. Von Kants Todesform des sinn-losen Willens. Krisis – Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft 26.

 

La France aide le Peuple tunisien

Tunisiens, pour votre plus grand plaisir un lot de 7 tonnes de Grenades lacrymogènes (made in France) est en partance pour Tunis.

Des grenades lacrymogènes bloquées à Roissy

L'ex-président tunisien attendait du matériel de sécurité en provenance de France. Un blocage qui serait technique, pas politique. Plusieurs tonnes de matériel de maintien de l'ordre, des grenades lacrymogènes notamment, à destination de la Tunisie sont coincées à Roissy depuis vendredi. Nous n'avons pas le chiffre exact mais d'après nos informations, il y aurait sept tonnes de matériel. Le fournisseur, Sofexi, appartient au groupe privé Marck, spécialisé dans l'équipement de sécurité. Sur la vidéo ci-dessous, on peut voir des lots de treize colis. Il ne s'agit que d'une partie de la livraison adressée au ministère tunisien de l'Intérieur et du Développement local.

Sofexi confirme que la Tunisie est l'un de ses clients depuis 2008 mais refuse d'indiquer à quel moment la commande a été passée. Vendredi matin, le bureau de douane a signé les documents autorisant l'exportation des marchandises. Cependant, le matériel étant considéré comme sensible, le jargon de la douane le désigne sous l'expression « produits autorisés ». Les douaniers ont donc décidé d'une « visite intégrale » du matériel, c'est-à-dire d'une vérification pièce par pièce. Problème : le matériel était déjà sorti du magasin sous douane vers l'emballeur, la société SFE, avant l'inspection. Les douaniers ont donc exigé le retour de la marchandise pour qu'elle puisse être inspectée lundi matin. Ce qui explique le blocage du matériel à Roissy. 

Un blocage « pas du tout » lié à la révolution tunisienne: Actuellement, les colis sont toujours à la Sogafro, la plateforme de fret. Le transporteur Hesnault attend les instructions de Sofexi concernant l'envoi des grenades (« On devrait rapidement savoir à quel moment ça peut partir ») et ne lie « pas du tout » le blocage du matériel aux événements tunisiens. Contacté, le ministère de la Défense explique que s'agissant de matériel non-militaire, ce n'est pas à lui de donner l'autorisation : « Ce type de matériel fait l'objet d'un consensus interministériel et c'est aux douanes, donc à l'Intérieur [sic], de trancher. » Au ministère de l'Intérieur, on répond « Elysée » et à l'Elysée, on est renvoyé au ministère des Affaires étrangères. Pour l'instant, il n'y a aucune réaction officielle.

source et vidéo

mardi 18 janvier 2011

Le réchauffement climatique menace

Climat Code Rouge, co-signé par les écologistes australiens David Spratt et Philip Sutton et publié par les Amis de la Terre, lance un cri d’alarme. Le changement climatique a d’ores et déjà franchi un seuil dangereux. La disparition accélérée des glaces arctiques et la fragilisation des glaciers du Groenland qui se déroulent sous nos yeux, des dizaines d’années avant la date prévue par les projections du GIECC, prouvent que les concentrations actuelles de carbone dans l’atmosphère sont déjà suffisantes pour provoquer des chocs systémiques dans les équilibres climatiques. Les politiques actuelles de lutte contre le réchauffement ne sont pas à la hauteur de l’enjeu. Pire encore, les objectifs des maxima de température et de CO2 qu’elles considèrent comme acceptables sont en fait à des niveaux qui peuvent nous conduire à des catastrophes et enclencher des processus irréversibles et incontrôlables.

« La planète ressent déjà les effets d’un dangereux réchauffement climatique. Si notre objectif est de protéger tous les humains, toutes les espèces, et toutes les générations à venir, au lieu d’accepter comme inévitable un réchauffement de 2°, qui mettra en péril des milliers, sinon des millions, d’espèces et des centaines de millions d’humains, nous devrions au contraire agir pour restaurer dès maintenant un climat protecteur et sûr. Une telle tâche requiert la mise en œuvre de mesures permettant de refroidir la terre - en piégeant le carbone répandu dans l’atmosphère, pour combattre les effets déjà sensibles aujourd’hui, comme par exemple la disparition probable des glaces arctiques. » 
Comme l’a écrit Ian Dunlop, ancien dirigeant de l’industrie pétrolière : « Le fait inquiétant est que nous faisons face à une urgence conditionnant le futur. Mais il est impossible de déterminer des solutions réalistes tant que nous ne comprenons ni n’admettons l’ampleur du problème. « Climat Alerte Rouge » est une analyse équilibrée, sérieuse, de ce défi, dénuée de parti pris politique, qui propose un cadre réaliste pour affronter l’urgence. Cette étude devrait être lue par tous les dirigeants politiques et d’entreprise, ainsi que par les citoyens. Si nous avons une chance raisonnable de préserver une planète habitable, le rassemblement de nos efforts en urgence aurait du être entrepris depuis longtemps. Nous jouerons cette partie une seule fois, et il n’y aura pas de jeu d’essai. »

"...Comme marchandises, les choses sont des objets-valeur abstraits privés de qualité sensible, et c’est uniquement sous cette forme étrange qu’elles sont socialement médiatisées..."

Psychogeographical Venice

We ourselves make the history of culture, but do so in preexisting conditions and not arbitrarily. Urban civilization is a recent creation of capitalism; and the ideological climate particular to the bourgeois regime, in which culture is both an instrument of domination and the successor to destroyed religion (flight from the real), still hasn't allowed one to draw all the consequences of a conditioning that, as a whole, is fundamentally new. The necessity of a theoretical formulation of the possibilities that this mutation opens up, and those possibilities that are made to disappear, is at the origins of all experimental research into an artistic practice that corresponds to today's development of production. Psychogeography is one of the aspects of the [conscious] arrangement of ambiance that one begins to call situationist.
At the close of the 18th century, London -- the most advanced town in terms of Western industrial concentration -- reached a stage of development that caused a qualitative change in its inhabitants' way of life. It was in London and at this time that we discover an ensemble of problems -- given birth to and then transmitted by means of literature -- that delimit the objective terrain of a passionate urbanism and in which a specific sensibility makes it first appearance. The love story of Thomas de Quincey and poor Ann -- who are fortuitously separated and seek in vain to find each other "in the immense labyrinth of London's streets, perhaps a few steps away" -- marks the historical moment of the awakening to psychogeographical influences upon the movements of human passion, and the importance of this moment can, in this regard, only be compared to the legend of Tristan,[1] which dates the formation of the very concept of love-passion.
At that moment, the manufacturing revolution had changed all the conditions of existence, and personal fate -- released from supernatural illusions and simply defined (in France) during the experimental phase of the bourgeoisie as "politics" -- could already be discovered in the material environment constructed by people and in the social relations that corresponded to it.
The hopeless condition of very large numbers of people -- experienced at the same time that the power of human society over nature had increased immensely -- appeared from then on in the culture of the innovators as an even-more acute contradiction between the affirmation of superior passionate possibilities and the reign of a certain kind of nihilism. In Thomas de Quincey, these tendencies were tempered by the recourse to classical humanism, which the artists and poets of the century that followed would subject to an even more radical demolition. Nevertheless, we must recognize in Thomas de Quincey -- that is, when he wandered in London, always vaguely in search of Ann and looking at "several thousand female faces in the hope of seeing hers," that is, between 1804 and 1812 -- an undeniable precursor to psychogeographical derives: "On Saturday evenings, I have had the custom, after taking my opium, of wandering quite far, without worrying about the route or the distance (...) ambitiously searching for my Northwest Passage, so as to avoid doubling anew all the capes and promontories that I had encountered in my first trip, I suddenly enter a labyrinth of alleys, some of them terrae incognitae, and I doubt that they are marked on the modern maps of London."
Today, we consider psychogeography and the derive to be provisional disciplines, methodically defined, with which to experiment on some aspects of the construction of ambiance and new situationist comportments. We think that the transmission of the results, even those apparently derisory, is the capital problem of psychogeography and that, through this transmission alone, it will be in relation with the architecture that we must invent. I believe that, at the moment in which we have begun to experiment with the derive, this activity has for many of us a meaning that is more directly moving. Perhaps there exists a more irrational tendency, a tendency to expect the discovery of a kind of psychogeographical Great Passage, beyond which we will attain mastery of a new game: the adventures of our lives themselves.
In other words, in the current context of alienation, the exteriorization of people -- as one knows -- returns against them. Modern art is arrested by the atrophy of the oeuvre (the impossibility of undertaking an extended construction, the lack of material means and the atomization of individual approaches) and by the evasion of the oeuvre-fragment (the commodity). With the creation of a new sector of action -- a creation that is finally illusory because of the pressure of all the other sectors -- we only desire a pure ludic objectification: we will contemplate ourselves in a world that we have created.
We have grounds to be encouraged by the surprising changes that the derive can bring about in comportment. It seems to me, in any case, that passionate usage can open the route to a really scientific knowledge, itself usable in a more extended situationist experiment [experience], following the schema proposed by Asger Jorn, who defines psychogeography as "the science-fiction[2] of urbanism" when he writes: "Only the imagination can render an object interesting enough for it to become a motivation for analysis, analysis empties the object of its imaginative force. But the new combination between the object and the results of analysis can form the basis for a new imagination."
The development of the productive forces, which breaks all the fixed structures of social life, tends to substitute a three-dimensional framework for the enclosed space in which the game and the flow of passion in time are limited to the forms of previous civilizations. In the era of the reduced exchanges of the Middle Ages, when people and their sentiments had to live and end in place, the greatest feudal virtue was loyalty. Among the fatal antagonisms of the society[3] that is currently decomposing, the acceleration of our era manifests itself on the affective plane in the taste for the speed of the automobile (a psychological compensation for a conformist cowardice acquired since youth by conditioned reflexes), but also in the sentiment of the derive, which -- for the moment -- once must qualify as revolutionary.
Thus, the great industrial towns have completely transformed our landscapes, even on the Map of Tenderness.[4] We must become aware of the role of these builders of the new world. The attempts at making pyschogeographical maps are primarily [attempts to make] guides for derives and, at the same time, new visions of the landscape -- the Corots or Turners[5] of today, if you will. We are still at the stage of extreme primitivism; still at the stage where subjectivity of a magical tendency must cede its place to the collective establishment of objective facts that allow a constructive reaction to the decor that is made for us. Due to the insufficiency of the means available to us, we still do not know how to produce a satisfying psychogeographical representation of a town; but the progress of this cartography is, nevertheless, undeniable, and the truthful criteria with which it identifies itself legitimates all that might appear -- through the narrow optics of common sense -- to be a deformation of known urban plans: in geography, Mercator's projections[6] are another example of utilitarian deformations. There is no other reality, no other realism, than the satisfaction of our desires.
Following the publication of some results of experiments already conducted in Paris and, to a lesser extent, in London, by the groups that came together in July 1957 to become a Situationist International, Venice was [chosen to be] the object of the first exhaustive psychogeographical work applied to urbanism. Ralph Rumney deliberately chose Venice from among so many other equally interesting zones of experimentation because of the sentimental resonance of the town that is tied to the most backward emotions of the old aesthetic. It is obvious that any intent to scandalize is foreign [to our motivations], and in the case of Venice we are only preoccupied with creating a contrast that is clearly instructive. In our eyes, the scandal is the slowness of the world in the belated combat in which it will yield to the forces that will end up changing it. We even think we will go to even more serious extremes than making easy attacks on the good taste of this good society. That which constitutes a situationist ambiance is the preliminary destruction of all the emotions that are opposed to it. We, who do not love countries, we love our epoch, as hard as it is. We love this epoch for what one can do it in it.
NOT BORED!
September 1957[7]

[1] The legend of Tristan and Isolde (circa 1150 C.E.).
[2] English in original.
[3] The phrase de la societe was repeated twice here.
[4] La Carte de Tendre, drawn by Madeleine de Scudery in the 17th century.
[5] Jean-Baptiste Camille Corot (1796-1875) was a French landscape painter, and Joseph Mallord William Turner (1775-1851) was an English Romantic landscape painter. Both favored Venice.
[6] The Mercator projection is a cylindrical map projection invented the Flemish geographer and cartographer Gerardus Mercator (1512-1594).
[7] Intended as a preface for a book by Ralph Rumney, who was excluded from the Situationist International a short time later because he failed to write it as promised.

To the participants in the national conference of Pouvoir Ouvrier

5 May 1961
Comrades:
The last national conference of Pouvoir Ouvrier [held 24 April 1961], as the near-totality of the participants are certainly aware, was not very satisfying. More serious than the weakness of the theses chosen for debate, the functioning of the discussion made appear at every instant how the real organization of Pouvoir Ouvrier is radically foreign to the new type of revolutionary organization justifiably defended and illustrated by all the work of the Socialisme ou Barbarie journal. To say this is nothing new; the organization has never hesitated to present its frank critique of itself at the most general levels. Unfortunately, what appears new is drawing conclusions.
The inseparable questions of the proper life of the organization and its external work are dominated by the organization's mistrust of all sorts of novelties -- including those that are clearly foreseen in its programmatic texts -- and by the infinitely weak use that it puts the participation and creativity of its militants, who are united, however, on the basis of complete participation.
The survival -- in practice -- of the conceptions of specialized revolutionary activity and specialized militants, not only effects Pouvoir Ouvrier, in so far as a bureaucratic nucleus has formed (because Pouvoir Ouvrier has banished the logical outcome of the specialized militant: the permanent), but also it offers a terrain of choice for diverse variants of dogmatism. The inevitable division in Pouvoir Ouvrier -- where it doesn't develop veritable political oppositions -- again manifestly creates a division into two age groups, but, in the last analysis, is independent of age: it is an unacknowledged division, not even a useful one, bewteen teachers and students.
The division of society into directors and executants is nearly abolished as such at the heart of Pouvoir Ouvrier (by the revolutionary ideology, the status and the weak dimension of the organization and its current tasks), but it reappears under its corollary aspect of division between "actors" and spectators. This spectacle doesn't lack very instructive aspects; but it is external to the revolutionary project in that one encounters the frequently made justification for the spectacle as a form of instruction, at the same time that all instruction traditionally presents itself in the mode of spectacle.
In the spectacle of Pouvoir Ouvrier, there are stars -- of whom several appear to me very interesting, it is unecessary to recall. The regretable thing is that their relationship to the spectators whom they attract (and even on the points on which they maintain a precise accord with the spectators) remains quite secondary in comparison to the continuous play between them, and indefinitely repeatable. Their spectacular opposition has never been sanctioned by anything; the stars never convince one another: they neutralize themselves day after day. So that the interventions of the spectators, even in the optimum case in which they are authenticated by the mediation of a star, only encounters the impotence of decision proper to the spehere of the invulnerable combatants.
The official meetings of Pouvoir Ouvrier are truly something Homeric, not only for the invectives of the gods who confront them, but by the species of immortality of their quarrel, which seems to remain on the tops of the heads of several generations of militants, those mortals. (An example of this mechanism of habit: the tactical recourse to [rhetorical] vehemence is accepted -- regretfully -- by several members of the Pouvoir Ouvrier elite, who have allowed such vehemence to those of long standing. I think that it intimidates many comrades who keep quiet or censor themselves on the most important questions. However, if one chooses to confront this tactic on its own terrain, the unusual tone is generally perceived as insolent, or even as bad faith.)
It is clear that I do not deny the possibility, for certain young militants, to quickly accede to the sector of the stars. I deny the interest of this promotion.
It is a thick and concrete separation of roles, not some heavy fatality of all collective action, that thrusts the richest communications of interest and efficacity (including, of course, that of the "stars," of which the official spectacle of Pouvoir Ouvrier only lets an impoverished reality filter through) into the clandestinity of informal relations. The crushing role of unconscious, uncritiqued habit in all the relations between the comrades of Pouvoir Ouvrier explains the survival, at first sight unbelievable, of certain habits of incoherent thought in a project as theoretically sound as Pouvoir Ouvrier.
One can "understand," on the "human" plane, many of the defects in Pouvoir Ouvrier (the pre-eminence of several sour or automatic personal relations) by recognizing them as the products of an isolation courageously accepted by a limited group of people. But, on the political plane, there is no excuse to dutifully let these problems rot, which impedes the transformation of a transitory group of "critique and orientation" into a revolutionary organization.
The task of revolutionaries today is to create an organization such as Pouvoir Ouvrier "at another level" of politics. This task can not wait until such-and-such a date or time; it is necessary to create it now, or never, because, in all constituted organizations on this side of the qualitative leap, time doesn't work for the organization, but against it.
So, the wait-and-see-ism of many comrades, who think that the numerical development of Pouvoir Ouvrier will bring it into closer relation with its fundamental goals, seems little justified to me. I have stated that the people quite capable of understanding all of the implications of Pouvoir Ouvrier's platform are already part of the organization. If they weren't, one could discuss the necessity of waiting for them. But they are there. However, they hardly express themselves: Pouvoir Ouvrier, founded on the contestation of all aspects of current society, is not particularly favorable to the contestation of the least of its own habits. A certain conformism, in which probably no comrade can individually recognize himself, appears as an alienated will in the functioning of the organization.
The unfortunate consequences, among the people who are precisely assembled on the perspectives of a radical critique, are obvious. Barjot [Cornelius Castoriadis] wrote in a note at the end of I[nternal] B[ulletin] #17 (May 1960): "the organization is called upon to enlarge. Whatever its current ideological richness, it will be, without doubt, little in comparison with the contribution it can furnish to new categories of adherents. It will be impossible for us, not only to profit from the enrichment of the organization's ideology, but simply to integrate these new adherents, if we do not disencumber ourselves of a sectarianism inherited from the past . . ." One couldn't say it better.
The argument, very frequent in Pouvoir Ouvrier, according to which all the faults of functioning do not prevent it from being "the best," the most conscious [organization] -- thus the basis for a subsequent development more in conformity with its principles -- obviously supposes that one addresses oneself to someone who defines himself, preliminarily, as a revolutionary militant (resolved to work in all cases in a political organization that is closest to his ideas). The use of this argument is in absolute contradiction with the general analysis of the depoliticization of modern capitalist society; and in absolute contradiction with the project of a new type of organization, which can only constitute itself by calling upon a completely different spirit than that of the traditional revolutionary militant, who is en route to disappear from the entire surface of the planet.
The idea, more unfortunate than derisory, according to which the reality of the organization can (must) soveriegnly escape from all contestation, naturally limits the exercise of this contestation to the particular people who leave it, or, more generally, to those who do not join it. It is equally the weight of this idea that renders ill the work of "rectifying" Pouvoir Ouvrier: all critique of what this organization rejects in its "unconscious" will be boldly taxed by sabotage -- by the paralyzing instances of the Superego of the organization, to continue this dubious psychoanalytic analogy.
The fundamental critique is thus hindered; one throws away the ballast with all the rest. One says to us: the organization is what it is, but [at least] it is here. Elsewhere, there is nothing like it. It is piquant to recover in this sort of sentimental blackmail the vacant, Bolshevik illusion -- with the masses at least -- of Trotsky at the Thirteenth Congress ("right or wrong, it is my Party"), an illusion of which one has seen the long exploitation. I believe that it is, at first, more correct to ask oneself, as the English comrades did in their platform, to what extent an unsuccessful attempt by a new revolutionary organization risks aggravating the discouragement of the workers. In the French group, the question is a little different, especially since it is a question of students, the teacher/student relationship doesn't really weigh upon certain people, and even less when it is masked by an ideology that expressly critiques relationships of this type. But, in the end, the undiscussed recognition of the great revolutionary value of the organization can not suffice to prevent discouragement, even among students, who have not really been integrated into the organization. One can be assured that if they haven't succeded in understanding the reasons for their disappointment, they discreetly leave with a bad conscience.
As to the quite real fact that, for many, Pouvoir Ouvrier represents a terrain of socialization, a game, etc., I don't think that this merits consideration from the point of view of the revolutionary critique of human affairs, which normally leads to a good number of [organizational] ruptures. These even include the ruptures by several young militants that Barjot seems to fear when he recalled, towards the end of the [previous] national conference, that the organization, if its wants to extend itself, can not be made "of a lot of people integrated into professional life" (my tactical divergence from Barjot on this point will be that of recalling that this organization can not "extend itself" again, but can only reconstitite itself).
To conclude:
Given the absence of tendencies in Pouvoir Ouvrier on the questions that appear really central to me, and considering that this fact renders the entirety of the organization responsible for a functioning that isn't imposed upon it bureaucratically, I have voted, in so far as I'm a delegate to the conference, for the pure and simple continuation of the old Editorial Committee.
Given my opposition, explained above, to the organization as it is today, I find myself obliged to withdraw from it (all the more, I must bear in mind my situationist comrades, a question that has never been approached by Pouvoir Ouvrier since the departure of Canjuers Daniel Blanchard, but which doesn't remain any less real for that). I specify, if all this can have some usefulness, that I haven't spoken from a Lefortist perspective; but from the necessity of a really effective organization (not the utopia in which certain members of Pouvoir Ouvrier believe). And not in favor of some privatization, either; but against the role of private life uncritiqued in the organization or, symmetrically, outside of it -- as illusory compensation for its unsatisfied militants.
Please believe, comrades, in my deep sympathy for you in any case; and for all that, in your action, goes towards the deepening of your programme and its translation into action.

(Published in Guy Debord, Correspondance, Volume 2, 1960-1964. Translated from the French by NOT BORED! April 2005.)

lundi 17 janvier 2011

Critique de la valeur, genre et dominations

2 détails: SADE était un Marquis et donc pas un bourgeois. "Les infortunes de la Vertu" sont inséparables "des Prospérités du Vice"
Note d’introduction
Depuis quelques années, les écrits du courant dit de la « critique de la valeur » ont commencé à circuler en France, grâce aux premières traductions de l’allemand et de l’anglais (1) et aux premiers essais en français (2). Ce courant de pensée radicale se développe en Allemagne depuis vingt ans avec de nombreux livres et les revues Krisis (depuis 2004) et Exit !. Une relecture de Karl Marx l’a amenée à élaborer une critique sociale contemporaine basée sur la mise en question de la valeur, de la marchandise, de l’argent, du travail et de l’État.
L’auteur le plus connu de la critique de la valeur, Robert Kurz, a examiné dans son œuvre principale, Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft (Le Livre noir du capitalisme. Chant funèbre pour l’économie de marché) (Eichborn, Francfort, 1999) l’histoire du capitalisme en tant qu’attaque systématique des bases de la vie humaine. La première partie de ce livre de 800 pages analyse, entre autres choses, la mise en place de l’idéologie libérale dans le contexte des Lumières, qui apparaissent alors sous un jour peu favorable aux projets d’émancipation. Nous donnons ici la traduction (due à Gérard Briche) d’un chapitre consacré au marquis de Sade (« La femme comme chienne de l’homme ») : il ne résume pas seulement certains des thèmes centraux de la critique de la valeur, mais il ouvre également une perspective critique sur un auteur – Sade – qui jouit aujourd’hui d’une réputation trop rarement questionnée. Dans la continuité de ce texte, l’essai d’Anselm Jappe « Sade, prochain de qui ? » a pour objet le culte de Sade. En prolongeant les réflexions de Robert Kurz, il s’engage à démontrer que Sade était moins un auteur « subversif » qu’un prophète du capitalisme contemporain.
La critique de la valeur a fait, dans son évolution, un pas décisif pour l’abandon de toute théorie simplement « objectiviste » avec l’élaboration de la théorie de la Wertabspaltung. Ce concept (qu’on peut traduire en français par « scission-valeur » ou « dissociation-valeur ») affirme que la société de la valeur et de la marchandise est fondée sur une scission préalable, et essentielle, entre ce qui appartient à la sphère de la production de la valeur et ce qui en est exclu, tout en en formant la présupposition muette, et que cette scission recoupe historiquement celle entre l’homme (travail, sphère publique) et la femme (foyer, sphère privée). Cet élargissement de la théorie marxienne, qui va au-delà du féminisme tout en englobant ses apports fondamentaux, a été annoncé d’abord par Roswitha Scholz en 1992 avec un essai paru dans Krisis et intitulé « C’est la valeur qui fait l’homme ».
Ensuite, Roswitha Scholz a élaboré cette théorie dans les livres Das Geschlecht des Kapitalismus. Feministische Theorie und die postmoderne Metamorphose des Patriarchats (Le sexe du capitalisme. La théorie féministe et la métamorphose postmoderne du patriarcat) (Horlemann, Bad Honnef 2000) et Differenzen der Krise – Krise der Differenzen. Die neue Gesellschaftskritik im globalen Zeitalter und der Zusammenhang von « Rasse », Klasse, Geschlecht und postmoderner Individualisierung (Différences dans la crise – La crise des différences. La nouvelle critique sociale à l’époque globale et le lien entre la « race », la classe, le sexe et l’individualisme postmoderne) (Horlemann, Bad Honnef 2005). Nous donnons ici la traduction (due à Johannes Vogele) du premier chapitre de Le Sexe du capitalisme (« Remarques sur les notions de “valeur” et de “dissociation-valeur” ») L’ensemble de ce dossier a été préparé par Gérard Briche, Anselm. Enfin, Johannes Vogele a résumé, dans son essai « Le côté obscur du capital. “Masculinité” et “féminité” comme piliers de la modernité », les points essentiels de la théorie de la valeur-scission sans passer par la médiation, parfois difficile, d’une traduction de l’allemand. Jappe, Wolfgang Kukulies, Luc Mercier et Johannes Vogele.

La femme comme chienne de l’homme*
Le cynisme d’un Mandeville (1) n’est surpassé que par le célèbre marquis de Sade (1740-1814) qui, non sans raison, jouit de l’honneur douteux que le plaisir de torturer qu’est le sadisme, porte son nom. C’est en prenant la relève directe de Hobbes et sur un ton plus dur que celui-ci que Sade, en des phrases aussi sèches que claires, a critiqué, lui aussi, la forme monadique de l’homme capitaliste et ce dès les débuts de cet ordre social, jusqu’à aujourd’hui le plus monstrueux. « Ne naissons-nous pas tous isolés, je dis plus, tous ennemis les uns des autres, tous dans un état de guerre perpétuelle et réciproque. » (2) Et tout comme Mandeville, Sade a exprimé les convictions fondamentales du libéralisme capitaliste, qui toujours sont voilées tant bien que mal, avec une franchise qui même dans les idéologies racistes ultérieures n’a pu ressurgir que sous une forme segmentée.
L’ouvrage le plus répandu de Sade, l’histoire allégorique de Justine (3) est étroitement apparenté à la Fable des abeilles, tant par le contenu que par l’histoire de sa composition. Mince volume à l’origine, l’ouvrage, dans ses versions successives parues entre 1787 et 1797, prit par la suite toujours plus d’ampleur, l’auteur y ajoutant, outre de nombreux épisodes supplémentaires, également des digressions philosophiques toujours nouvelles.
Si, dans les premières moutures, Sade avait fait comme si son histoire avait été écrite à des fins dissuasives, il devait laisser tomber finalement aussi ce voile (bien léger de toute façon). C’est à l’unisson de Mandeville qu’il fait dire, en l’approuvant, à un de ses personnages, un riche scélérat libéral : « Tout ce qui s’appelle aumône est une chose qui répugne si tellement à mon caractère, que me vît-on trois fois plus couvert d’or que je ne le suis, je ne consentirais pas à donner un demi-denier à un indigent ; j’ai des principes faits sur cette partie, dont je ne m’écarterai jamais. Le pauvre est dans l’ordre de la nature [...]. Le soulager est anéantir l’ordre établi, c’est s’opposer à celui de la nature, c’est renverser l’équilibre qui est à la base de ses plus sublimes arrangements. C’est travailler à une égalité dangereuse pour la société, c’est encourager l’indolence et la fainéantise » (4).
Robert Kurz

Que dit la Révolution Tunisienne

Il est trop tôt pour savoir si le peuple tunisien aura les forces suffisantes pour imposer "La première Démocratie Arabe" mais c'est tout l'enjeu de cette révolte qui donne tord à la foi aux dictateurs arabes, aux néo-islamistes et surtout à la Dictature néo-libérale mondialisée
Les tunisiens ont prouvé qu'un peuple arabe ne comptant que sur ses propres forces peut renverser le cours de l'histoire et chasser une dictature corrompue. On peut objecter que la Tunisie est un cas à part du fait de son "développement humain" comme d'ailleurs de ses traditions d'ouverture sur le monde mais à l'heure du Net et de la mondialisation quel pays échappe à la circulation des idées ?

C'est un séisme positif qui ébranle déjà tout le Maghreb et se répand en échos dans tout le monde arabe. Tremblez dictateurs les peuples se réveillent et savent ce qu'ils veulent bien plus que vous ne l'aviez imaginé dans vos cauchemars.
Qui n'a pas remarqué que si les Etats européens (la France en premier lieu aux mains d'une clique d'idéologues ringards et de prévaricateurs coincés) n'ont rien vu venir, rien voulu entendre, les peuples d'Europe et d'ailleurs (monde arabe surtout),  ont soutenu  cette aventure de la démocratie en Tunisie. Les tunisiens ont bien compris qui étaient leurs ennemis et qui étaient leurs amis. La solidarité en acte c'est exprimé sur le Net et dans la rue des 4 coins du monde pour que naissent cet espoir incroyable mais vrai.
A Oman, on soulignait qu’une telle révolte «n’était pas arrivée dans le monde arabe depuis mille ans»
En se libérant les tunisiens ont rendu un grand service aux peuples de la région qui crèvent sous la botte et le mépris, d'Alger sont arrivé les premières répliques du séisme qui continue son chemin à travers le monde. Désormais, plus rien n’est impossible. Il y a un avant Tunis et un après.
Vive la Liberté tunisienne !

Ein Schisma des Westens?

 Der Irak-Krieg und die Struktur der imperialen Macht
Der Präventivkrieg der USA und Großbritanniens gegen den Irak, so scheint es, hat nicht nur zahlreiche Menschenleben und die Infrastruktur dieses ohnehin ausgepowerten Landes vernichtet. Auf der Strecke geblieben ist auch die bislang demonstrierte Einmütigkeit des Westens. Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg geht ein Riß durch die politische Allianz der NATO-Staaten. Die in den Jahrzehnten des Kalten Krieges ausgebaute Integration der alten kapitalistischen Kernländer zu einem Imperium der Pax Americana hatte noch das erste Jahrzehnt nach dem Zusammenbruch der Pax Sowjetica überdauert und sich in einer ganzen Reihe von Weltordnungskriegen und weltpolizeilichen Maßnahmen gegen die "Unsicherheitszonen" der zerfallenden Peripherie reproduziert. Der Dissens über den Irak markiert einen Umschlagspunkt. Seit Anfang 2003 spricht der Westen nicht mehr mit einer Stimme. Schon ist die Rede von einer neuen weltpolitischen Achse Paris – Berlin – Moskau. Verschieben sich die Gewichte der globalen Macht, ist dieser Dissens der Beginn eines großen historischen Schismas?
Zweifellos zeigen der völkerrechtswidrige Präventivschlag und der Konflikt innerhalb der NATO, daß die imperiale Macht ihre Contenance zu verlieren beginnt. Mit jedem neuen Schub der globalen Krise steigt der Grad der Nervosität, mit jedem neuen Herd der Destabilisierung wächst die Unsicherheit über die weitere Vorgehensweise. Kein Wunder, daß innerhalb der imperialen Struktur Differenzen aufbrechen. Aber die Frage ist, worin diese Differenzen eigentlich bestehen und worauf sie hinauslaufen. Schon seit Anfang der 90er Jahre gibt es einen nostalgischen Diskurs unter linken ebenso wie unter konservativen Ideologen, die eine neue Ära der imperialen Konkurrenz heraufziehen sehen. Der Kalte Krieg, so heißt es, habe nur die Rivalität der großen kapitalistischen Mächte untereinander überdeckt, da sie einen gemeinsamen Feind hatten. Nachdem dieser Feind nun verschwunden sei, werde die Welt zu einem Zustand wie vor 1914 zurückkehren. Der akute Dissens innerhalb der NATO scheint Wasser auf die Mühlen dieser Argumentation zu sein und sie plausibler zu machen als etwa noch während der Kosovo-Intervention von 1999.
Aber eine von der Oberfläche der Erscheinungen bestimmte Interpretation bleibt assoziativ und feuilletonistisch. Historische Analogieschlüsse sind immer falsch und eher von Stimmungen oder von legitimatorischen Bedürfnissen geleitet als von theoretisch stichhaltigen Analysen. Das Unbekannte macht Angst und stiftet Verwirrung; deshalb möchte man die neue Situation der Welt nach dem Epochenbruch in ein vertrautes Muster der Vergangenheit einordnen. Der defizitäre Charakter des nostalgischen Imperialismus-Diskurses ist aber schon in seinen Voraussetzungen zu erkennen. Denn natürlich war die Epoche von Pax Americana und Pax Sowjetica nicht bloß eine zeitweilige Unterbrechung der Konkurrenz zwischen nationalen Imperien. Mit dem Kalten Krieg ging ein globaler Strukturwandel einher. Die imperiale Auseinandersetzung zwischen den beiden Supermächten drehte sich nicht mehr primär um die nationale Aneignung von Territorien, Arbeitskräften, Rohstoffen und Märkten, sondern um die ordnungspolitische Kontrolle eines globalen politisch-ökonomischen Raums. Im Schatten des Systemkonflikts bildeten sich unter dieser Hülle transnationale Strukturen des Kapitalismus heraus, die schließlich zum Prozeß der Globalisierung führten.
Es gibt kein Zurück hinter diese Entwicklung, wie es auch schon in der Vergangenheit keine Umkehr der kapitalistischen Dynamik gegeben hatte. Das moderne warenproduzierende System ist kein Zustand, sondern ein irreversibler Prozeß. Diejenigen, die zu einem "geopolitischen" Räsonnement nach dem Muster der globalen Konstellation zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückkehren wollen, tun aber plötzlich so, als hätte es den grundlegenden Strukturwandel in der Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg gar nicht gegeben. Zu dieser anachronistischen Fehldeutung gehört auch die Illusion, daß die Akkumulation des Kapitals überall wunderbar floriere und die Flut von "neuen Kriegen", sozialökonomischen Zusammenbrüchen und Massenmigration gar nichts mit dem universellen Modell von "Marktwirtschaft und Demokratie" zu tun habe. Die fundamentale Krise der 3. industriellen Revolution wird ebenso ignoriert wie die neue kapitalistische Tendenz der Globalisierung; und das ist nur folgerichtig, denn beide Prozesse sind eng mit einander verbunden.
Es ist kein Wunder, daß gerade die restlichen Vertreter eines traditionellen Marxismus ihr Heil in den Mustern einer unwiederbringlichen Vergangenheit suchen. Denn die Interpretation der Marxschen Theorie war von der westlichen Arbeiterbewegung bis zu den "nationalen Befreiungsbewegungen" des Südens für mehr als ein Jahrhundert an die Paradigmen "nachholender Modernisierung" in den Formen des modernen warenproduzierenden Systems gefesselt. Jetzt möchte man am liebsten mit der antiken Imperialismustheorie Lenins dort weitermachen, wo man 1914 aufgehört hat, um sich den Problemen der neuen Epoche nicht stellen zu müssen. Aber auch Vertreter der europäischen bürgerlichen Intelligentsia sehen sich veranlasst, die Uhren der Geschichte rückwärts zu drehen, wenn auch mit anderen Motiven als die traditionellen Marxisten. So nimmt der bekannte französische Historiker Emmanuel Todd den aktuellen Konflikt in der NATO zum Anlaß, um die kommende "geopolitische" Emanzipation der EU von den USA vorauszusagen, im Verein vielleicht mit Rußland und China.
Schon ein äußerer Faktor spricht gegen derart rückwärts gewandte Deutungen des westlichen Dissens. Dieser Faktor besteht in der uneinholbaren militärischen Überlegenheit der USA. In dem halben Jahrhundert nach 1945 hat der militärisch-industrielle Komplex der westlichen Supermacht die neuartige Dimension einer "permanenten Kriegswirtschaft" angenommen. Der Kern dieses Komplexes wurde in der Zeit der globalen Prosperität zwischen dem Korea- und dem Vietnamkrieg aufgebaut. Ein derartiger Kraftakt ist schon deshalb nicht wiederholbar, weil die Quellen der Prosperität längst versiegt sind, die es erlauben würden, noch einmal die Basis einer vergleichbaren unproduktiven Militärindustrie zu finanzieren. Darauf aufbauend, konnten allein die USA in der Ära der "Reaganomics" einen zweiten historischen Schub der Aufrüstung auf den Weg bringen, auch wenn dieser bereits durch eine historisch beispiellose Defizit-Ökonomie erkauft war. Bekanntlich bildete der aufgeblähte Militär-Keynesianismus der USA in den 80er Jahren eine der Ursachen für den Kollaps der Sowjetunion, die das Wettrüsten nicht mehr mithalten konnte.
In den Weltordnungskriegen der 90er Jahre hat sich der Abstand der US-Militärmaschine gegenüber allen anderen Staaten weiter vergrößert. Heute ist der Rüstungs-Etat der USA immer noch Jahr für Jahr ungefähr zehnmal so hoch wie derjenige von Frankreich, Deutschland und Großbritannien zusammengenommen. Der technologische Vorsprung beträgt bei den meisten High-Tech-Waffensystemen mehrere Generationen. Selbst wenn die EU eine wirkliche politische Einheit wäre, was sie nicht ist, würde sie viele Jahrzehnte benötigen, um mit einem eigenständigen militärisch-industriellen Komplex auch nur in die Nähe der USA zu kommen. Abgesehen davon wäre ein solches Projekt unter den gegenwärtigen ökonomischen Bedingungen völlig unfinanzierbar. Emmanuel Todd versucht daher gar nicht erst, die von ihm prognostizierte "geopolitische Emanzipation" der Europäer militärpolitisch und rüstungsökonomisch zu begründen. Stattdessen verweist er ziemlich lahm darauf, daß Europa gerade deshalb stark sein könne, weil es "den Militarismus ablehnt". Das ist nett gesagt, aber es kann sich nicht ernsthaft auf die Welt der imperialen Politik beziehen. In der freien Wildbahn der kapitalistischen Macht ist immer noch derjenige Primus, der den größten Knüppel für den Totschlag vorzeigen kann.
Aber natürlich bildet nicht die äußere militärische Überlegenheit den letzten Grund der Hegemonie, sondern die ökonomische Potenz. Diese ist allerdings nicht isoliert zu betrachten, sondern immer nur im Kontext der allgemeinen kapitalistischen Entwicklung. Wenn das Kapital als solches an Grenzen stößt, wird das Problem der Krise entscheidend, nicht das Problem der Hegemonie. Todd aber will (genau wie die traditionellen Marxisten) von einer historischen Krise der kapitalistischen Akkumulation nichts wissen, in dieser Hinsicht bewegt sich für ihn die Welt "in Richtung Stabilität". Vor dem Hintergrund dieser angeblichen Stabilität glaubt er nun eine wachsende ökonomische Abhängigkeit der USA von der übrigen Welt zu erkennen, die zeige, daß der Hegemon auf tönernen Füßen steht. Das ist durchaus richtig. Die innere Defizit-Ökonomie der USA ist bedingt durch eine äußere. Seit Ende der 70er Jahre wächst das Defizit in der Handels- und Kapitalbilanz der westlichen Supermacht kontinuierlich an. Die USA konsumieren immer mehr, während sie immer weniger produzieren; sie kaufen auf Pump, ohne selber zu sparen. Sie saugen das Geldkapital der Welt auf, um damit die Warenströme der Welt aufzusaugen.
Aber Todd tut so, als wäre das nur ein Problem der USA, das deren Hegemonie schließlich zugunsten Europas zu Fall bringen müsse. In Wahrheit sind aber nicht bloß die USA ökonomisch von der Welt abhängig, sondern umgekehrt auch die Welt von den USA. Die Schwäche der letzten Weltmacht ist auch die Schwäche Europas und die Schwäche aller übrigen Weltregionen. Todd betrachtet die Schwäche der USA isoliert, weil er den Zusammenhang von Krise und Globalisierung leugnet. Innerhalb dieses Zusammenhangs aber wird klar, daß es sich um eine Interdependenz handelt, die von der historischen Schwäche der kapitalistischen Akkumulation im allgemeinen verursacht wird. Mangels rentabler Möglichkeiten der Investition transferiert alle Welt ihr überschüssiges Geldkapital in die USA, die damit die überschüssigen Waren der Welt kaufen. Der defizitäre Militär-Keynesianismus bildet dabei den ökonomischen Katalysator. Sobald dieser defizitäre Kreislauf zum Stillstand kommt, wird die Krise der USA auch zur Krise Europas und der übrigen Weltregionen.
So gesehen kann es gar nicht um die Ablösung der US-Hegemonie durch eine andere (europäische oder eurasische) Hegemonie gehen. In Wirklichkeit sind die zentralen westlichen Staaten allesamt auf die imperiale Struktur der Pax Americana angewiesen, in die sie durch den Prozeß der Globalisierung und den damit verbundenen Defizit-Kreislauf negativ integriert sind. Der westliche Dissens kann also gar nicht aus einer neuen, ökonomisch begründbaren imperialen Konkurrenz von unabhängigen Nationalstaaten hervorgehen. Was sich vor unseren Augen vollzieht, ist nicht ein Wechsel der hegemonialen Macht in einem stabilen Bezugssystem weltkapitalistischer Reproduktion, sondern vielmehr die säkulare Krise dieses Bezugssystems selbst, die jede hegemoniale Konkurrenz gegenstandslos macht.
Der Dissens innerhalb des Westens ist ein Ausdruck dieser gemeinsamen Krise im Kontext der Globalisierung. Nur oberflächlich nimmt er die Form eines Gegensatzes von nationalen Regierungen (Washington und London versus Paris, Berlin und Moskau) an. Das rührt allein daher, daß der ökonomische Inhalt der Globalisierung an die politische Form der nationalen Staatlichkeit gefesselt bleibt, die sich ihrer Natur nach nicht ebenso globalisieren kann. Deshalb erscheint die imperiale Struktur der Globalisierung weiterhin als Verhältnis von nationaler Macht der USA und zweitrangiger Staaten des Westens. Form und Inhalt befinden sich im Widerspruch. Was der Form nach als nationaler Dissens erscheint, ist dem Inhalt nach ein Dissens in der imperialen Gesamtstruktur quer durch die nationalen Eliten über das weitere Vorgehen. Teile des Managements und der politischen Klasse in Frankreich und Deutschland vertreten die Position der US-Regierung wie umgekehrt Teile des Managements und der politischen Klasse in den USA und Großbritannien die Position der französischen und deutschen Regierung.
Der Gegensatz ist kein substantieller, weil es um die Verteidigung des gemeinsamen Bezugssystems geht. Es handelt sich auch nicht um einen ideologischen Dissens, denn die Berufung auf das neoliberale Paradigma, auf "Marktwirtschaft und Demokratie", auf die Menschenrechte usw. ist kein Streitgegenstand. Ebensowenig geht es um eine strategische Differenz, da die Ziele des gemeinsamen westlichen Sicherheits- und Ausgrenzungs-Imperialismus identisch sind. Noch nicht einmal von einem Konflikt zwischen "Falken" und "Tauben" kann man streng genommen sprechen, denn beide Seiten befürworten prinzipiell militärische Interventionen und Präventivschläge, wie es das gemeinsam festgelegte "Neue Strategische Konzept" der NATO vom April 1999 aussagt.
Der Konflikt ist allein ein taktischer und legitimatorischer. Die "Legitimisten" wollen die Weltordnungskriege nach außen weiterhin durch die institutionelle Legitimation von "Souveränität", Völkerrecht und UNO flankieren, wie ihrer Meinung nach auch für das Regime der sozialen Repression nach innen die institutionellen Formen der westlichen Demokratie und für die Regulation der Krise einige Restbestände staatlicher Kompetenz gegenüber der globalisierten Ökonomie beibehalten werden sollen. Die Hardliner dagegen sind bereit, unter Führung der USA zu einer Art globalen Militärdiktatur überzugehen, die nach außen wie nach innen mit allen institutionellen Regeln bricht, die Krisenverwaltung verschärft und die Globalisierung rücksichtslos vorantreibt. Von der staatlichen Kompetenz soll nur die Funktion des globalen Leviathan in Gestalt der US-Militärmaschine übrigbleiben; die forcierte Deregulierung führt zur bewußten Delegitimierung.
Vielleicht ist die Position der Hardliner angesichts der fortgeschrittenen Weltkrise vom Standpunkt der kapitalistischen Logik aus gesehen die "realistischere". Die fundamentale Krise der 3. industriellen Revolution ist damit aber dennoch nicht zu bewältigen. Auch der High-Tech-Gewaltapparat kann die Gespenster der vom System selbst erzeugten Barbarei nicht bannen. Das Resultat könnte tatsächlich darin bestehen, daß die hybride Form einer globalen Vergesellschaftung durch das Kapital zerbricht. Die rein negative Vereinigung der Menschheit in einem universellen Raum blinder Konkurrenz ist nicht durchzuhalten. Wenn in diesem Sinne die USA, Europa und Japan/Südostasien auseinanderbrechen, wird das aber erst recht keine Rückkehr zu den alten Formen imperialer Konkurrenz bedeuten. Es wäre vielmehr das Ende des gemeinsamen politisch-ökonomischen Bezugssystems. Auch die "entwickelten" westlichen Länder werden dann auf sich selbst und ihre innere Krisenbarbarei zurückgeworfen, wie es jetzt schon die zerfallenden Regionen der globalen Peripherie vorexerzieren. 
01.05.2003 Robert Kurz

dimanche 16 janvier 2011

GEGENREALISMUS

Gesellschaftliche Konflikte sind immer auch ein Kampf um Begriffe, um die "Definitionsmacht" über die Art und Weise, wie die Probleme überhaupt wahrgenommen werden. Man könnte auch sagen, daß die Probleme quasi naturwüchsig nach Maßgabe der herrschenden Systemlogik definiert werden. Und eine entsprechende Färbung nehmen dann die Begriffe an, ganz nach dem Muster des Chamäleons. Es gibt dazu keine bewußte Absprache und keine Zensur, sondern der Mechanismus der Begriffsbildung und der Prozeß der Definition läuft viel subtiler ab. Eine bestimmte Redeweise mendelt sich gewissermaßen heraus, und plötzlich sprechen alle scheinbar aus tiefster Überzeugung dieselbe Sprache. Ganz besonders in sozial-ökonomischer Hinsicht setzt sich im Wissenschaftsbetrieb, in den Medien und in der politischen Klasse eine allgemeine Sprachregelung durch, eine "Konsens-Sprache", die umso rigider wirkt, gerade weil sie nicht direkt administrativ verordnet ist.
Dieser Sachverhalt rührt daher, daß Wissenschaft, Medien und Politik nicht ebenso stumm und automatisch wirken können wie die unsichtbare Hand des Marktes. Sie bilden die "subjektive" Seite im Verhältnis zu den "objektiven" Systemgesetzen. Die Konformität mit den kapitalistischen Imperativen ist daher nicht von selbst gegeben, sondern muß in einem diskursiven Prozeß immer erst hergestellt werden. Eine wesentliche Funktion dieses Diskurses besteht darin, daß die Beteiligten sich gegenseitig auf die Anforderungen der kapitalistischen Großwetterlage vergattern, an die alle sozialen und kulturellen Verhältnisse anzupassen sind. Genau dafür bedarf es der Sprachregelung. Und in diesem Sinne bilden Wissenschaft, Medien und politische Klasse eine Art Kartell, das darauf achtet, daß keiner aus der Reihe tanzt. Es wird ein allgemeiner Rahmen gesetzt, in dem dann die jeweils eigene Klientel marketing-gerecht zu belabern und gleichzeitig an die Kandare zu nehmen ist.
Die Semantik der ideologischen Kontrolle beherrscht, wer die elementare Definitionsmacht darüber hat, was "Realität" und was demzufolge "Realpolitik" ist. Das heute herrschende semantische Kartell hat die Erfordernisse kapitalistischer Krisenverwaltung zum Realitätsprinzip erklärt und den Begriff der Reform entsprechend umdefiniert. Das einstige soziale und emanzipatorische Pathos der Reform, wie es im Zuge der historischen Entwicklung von Tariflohn, "Wohlfahrtsstaat" und öffentlichen Diensten entstanden war, wird nun genau umgekehrt für die Gegenreform instrumentalisiert. Die Kampagnen von Privatisierung und sozialen Restriktionen laufen unter dem Motto: "Mit uns zieht die neue Zeit". Je privater und je billiger, desto besser.
Alle machen sich Sorgen, ob die "Reformer" sich durchsetzen gegen die "ewig Gestrigen". Eingeladen wird zu reformerischen "Kompromissen bei der Mitgestaltung der Gesellschaft". Zum Beispiel: Wird um 5 oder um 10 Prozent gekürzt? Muß das Krankenhaus oder der Kindergarten stillgelegt werden? Sollen die Vergünstigungen für Krebskranke oder für Gehbehinderte wegfallen? Gibt es 1 Prozent Erhöhung von irgendwas, dafür aber die dreifache Belastung an anderer Stelle? "Verbesserungen für die Menschen" heißt jetzt der Grad der Verschlechterungen, um den mit reformatorischer Geste "gerungen" wird. Der politische Wettbewerb soll sich nur noch darauf beziehen, wer die immer härteren Einschnitte am geschicktesten verkaufen kann. Und der politischen Linken wird angedroht, daß ohne "überzeugende Reformer" der "Sturz in die Bedeutungslosigkeit" drohe. Der "Wählerwille", so läßt die Kontroll-Semantik durchblicken, strotzt derart von "Realismus" und "staatsbürgerlicher Reife", daß er geradezu nach Billiglohn, Sozialabbau und Privatisierung lechzt.
Diese herrschende Sprachregelung ist allerdings so fadenscheinig wie die seit Jahren langweilenden Ankündigungen des baldigen Aufschwungs. Wenn es so weitergeht, droht der einstige Ehrenname des "Reformers" bald zum ordinären Schimpfwort zu werden, mit dem "die Menschen im Lande" böse Nachbarn oder böse Hunde benennen. Gehirnwäsche funktioniert nicht immer. Die herrschende Definitionsmacht über die Realität könnte durch einen sozialen Gegenrealismus durchaus gebrochen werden. So wäre eine umfassende Großkampagne gegen das Projekt des Billiglohns weitaus mehr als bloß Sozialpolitik in den Grenzen der politischen Arithmetik, nämlich ein Kulturkampf, die Offensive für ein elementares zivilisatorisches Niveau. Eine solche Gegen-Realpolitik, die unerbittlich allen Verästelungen, Feinheiten und Gemeinheiten der repressiven Arbeits- und Sozialverwaltung nachgeht, hätte Chancen auf Massenwirksamkeit.
Das gilt erst recht für einen ernsthaften Kampf um die öffentlichen Dienste als wesentlichem Bestandteil des Lebensstandards. "Die Menschen" haben doch die Börsen-Bahn, die Börsen-Post und die Androhung von Börsen-Wasserwerken ebenso bis oben hin satt wie die Zweiklassen-Medizin und das Billig-Unbildungswesen. Das "Gegenfeuer" (Pierre Bourdieu) in dieser Hinsicht muß keineswegs "ewig gestrig" an staatsbürokratische Traditionen anknüpfen. Denkbar ist auch ein Konzept von öffentlichem Dienst in Gestalt von selbstverwalteten Non-Profit-Gesellschaften, in die der materielle Apparat der Infrastrukturen zu überführen wäre. Eine damit verbundene öffentliche Gebrauchswert-Orientierung wäre zwar nicht jenseits der Wertform, aber ein mögliches und nachvollziehbares Moment emanzipatorischer Transformation.
Wenn der Kapitalismus kein zivilisatorisches Niveau halten kann, muß man ihn auch nicht mit Verbeugungen "annehmen". Umgekehrt ist die Rechnung aufzumachen, daß der Kapitalismus seinerseits immer mehr Menschen nicht mehr "annimmt". Das Bedürfnis der sozial Ausgebürgerten nach Formen organisierter Repräsentanz wird nicht sanft erlöschen wie einst bei den Flüchtlingen nach dem 2. Weltkrieg, die durch das "Wirtschaftswunder" absorbiert wurden, sondern im Gegenteil massiv zunehmen; und zwar nicht allein in Ostdeutschland. Die Arithmetik des herrschenden semantischen und politischen Kartells kann ihnen keine Stimme geben, sondern nur ihre Stimmen auf die Mühlen des nationalistisch-rassistischen Ressentiments lenken. Es ist wahr: Nicht Staatsgläubigkeit ist angesagt, sondern Selbstverantwortung. Aber eine Selbstverantwortung im Sinne unbürokratischer, eigenständiger sozialer Gegenbewegung, nicht im Sinne höchst autoritärer, "akzeptanzfreudiger" Marktgläubigkeit.



erschienen im Neuen Deutschland
im Oktober 2002

Robert Kurz

samedi 15 janvier 2011

À quoi va ressembler la vie « sans contact » à Lille

Depuis quelques temps, nous mettions en garde nos lecteurs et lectrices contre la généralisation de la technologie RFID décidée dans la confidence par Lille Métropole. Le 5 novembre 2010, en renouvelant le contrat d'exploitation des transports en commun de Kéolis, LMCU – par l'intermédiaire d'Éric Quiquet – nous a dévoilé ses plans maléfiques d'automatisation, de sécurisation et de marchandisation des transports. La carte à puce RFID va donc s'installer dans nos poches et intensifier cette mini société de contrainte et de surveillance propre aux flux de bétail humain.

À la lecture des délibérations savamment noyées dans le site internet de Lille Métropole1 - et alors qu'un mouvement national s'oppose au projet LOPPSI 2 - on se rend compte que nos pires spéculations en termes de fichage et de traçabilité se réaliseront cette année. Si une description de ce qui nous attend dans les transports en commun lillois peut sembler dérisoire quand on ne les prend jamais - ou quand on les fraude - elle permet de toucher du doigt les possibilités de cette technologie intrusive et d'imaginer le monde qu'elle créera une fois généralisée.
La technique déployée
Les techniques seront de trois ordres : le billet « sans contact », la carte à puce RFID, et une application pour téléphones portables. En ce qui concerne la carte RFID, ce sera sensiblement la même que le pass Navigo parisien. Elle s'appelle poétiquement Calypso, comme pour mieux naviguer dans un océan de liberté surveillée.
Les futurs tickets, cartes ou téléphones portables détecteront à distance toutes les personnes entrant dans les transports (métro, bus, tramway, TER, parkings pour bagnoles et vélos), et serviront à louer les futurs Vélos en Libre Service, les voitures en autopartage...

Paris: plusieurs milliers de personnes célèbrent la chute de Ben Ali

Les habitants de Tunis n'en reviennent pas: «Nous sommes le premier peuple arabe à avoir fait la révolution et renversé un dictateur.» L'armée, pourtant, a repris le contrôle des rues. «S'il n'y a pas de véritable ouverture en direction des syndicats et de l'opposition, les manifestations vont continuer».  Après plus d'un mois de manifestations, et au moins 100 morts, le dictateur Ben Ali a quitté vendredi la Tunisie après 23 ans de pouvoir. Il a trouvé refuge en Arabie Saoudite. «La police de Ben Ali pille actuellement le pays. ce n’est pas le peuple, clame une manifestante sur sa pancarte». «Il faut nous aider, ajoute Kamel, 50 ans. La mafia de Ben Ali est en train de tout brûler et de tout casser. Le peuple tunisien n’est pas tombé dans les pièges qui lui sont tendus. Cette révolution est magnifique, historique et on tient à ce que ça reste comme ça». 

Autre atmosphère à Paris:

13h45. Rassemblement place de la République à Paris. Plus de mille personnes sont déjà réunies pour participer à la «manifestation de soutien aux luttes des peuples tunisiens et algériens». Concert de klaxons, hymne national chanté à tue-tête, drapeaux tunisiens sur les épaules... L'ambiance est plutôt festive. «Avec mon âme, avec mon sang, je te protège Tunisie», chantent aussi les manifestants qui ont envahi la chaussée, bloquant la circulation, les services d'ordre se mettent peu à peu en place.

Beaucoup de manifestants exigent le départ du Premier ministre Mohammed Ghannouchi qu'ils considèrent comme complice de Ben Ali. Sur les pancartes, on lit aussi: «c’est fini Ben Ali», «Ben Ali assassin, Sarkozy complice», «Tunisiens restez debout le monde est avec vous» Et encore: «Yes we can» au recto, «Yes we did» au verso.  Notre reporter, Élodie Auffray, rapporte aussi ses propos d'une mère expliquant à sa fille: «On est là parce que les Tunisiens ont réussi à se libérer de leur dictateur. Mais, pour l'Algérie aussi ça va venir» Ils étaient environ 900 à Lyon à manifester pour célébrer la chute de Ben Ali. Et plusieurs milliers (8000 selon l'AFP) dans les rues de Paris. Beaucoup de Tunisiens, mais aussi des Algériens, des Français, dont beaucoup de militants syndicaux et politiques. L’hymne tunisien est entonné sans cesse, les tunisiens sont en liesse, malgré les inquiétudes qui s’expriment quant aux violences qui se produisent toujours dans le pays.
Les opposants et exilés tunisiens sont libres de rentrer au pays, affirme le Premier ministre tunisien sortant, Mohammed Ghannouchi. «Ils peuvent rentrer quand ils veulent. C’est leur pays», a-t-il déclaré à Al-Jazira.
 Pendant ce temps en Tunisie: le Conseil constitutionnel proclame le président du Parlement président par intérim. Le Conseil constitutionnel tunisien a donc estimé qu'en vertu de la loi fondamentale tunisienne, le président du parlement était le chef d'Etat intérimaire, et non pas le premier ministre. Il a indiqué par ailleurs qu'une nouvelle élection présidentielle devait se tenir dans les 60 jours. Des manifestations et des marches ont commencé dans des villes de province pour réclamer le départ de Mohammed Ghannouchi dont la présence à la tête de l'Etat n'aura duré que moins de 24 heures. Ces marches se déroulaient en dépit de l'état d'urgence qui interdit tout rassemblement sur la voie publique et donne aux forces de l'ordre la possibilité de tirer sur ceux violant ces dispositions.


ZUKUNFTSVERBRAUCH

Die Krise, ob sie nun erst einmal eingedämmt ist oder schon bald verschärft wiederkehrt, ist im Kern eine sogenannte Schuldenkrise. Aber was heißt das? Das Produktionskapital leiht sich über das Bankensystem Geld. Deshalb muss es dann seinen Profit mit dem Finanzkapital teilen, das davon Zinsen bekommt als Preis für das geliehene Geld. Kann das Produktionskapital aber den Profit nicht in ausreichender Höhe erzielen, tritt sowohl für den Schuldner als auch für den Gläubiger eine Krise ein. Das „Volksvorurteil“ (Marx) gibt dabei gern die Schuld dem „gierigen“ Finanzkapital, das sich unproduktiv bereichern will. Aber die Frage ist doch, warum sich das Produktionskapital überhaupt Geld leihen muss, um die Produktionsmittel bezahlen zu können. Da liegt der Hund begraben, nicht beim „bösen“ Finanzkapital.
Die Konkurrenz erzwingt ständige Produktivitätssteigerung, und diese ist nur möglich durch den Einsatz eines immer größeren wissenschaftlich-technischen Aggregats. Marx hat gezeigt, dass sich dabei der Anteil des toten, keinen Neuwert schöpfenden Sachkapitals gegenüber dem Anteil der Arbeitskraft, die allein zusätzlichen Wert produziert, immer mehr erhöht. Die bürgerliche Statistik sagt dasselbe, wenn sie feststellt, dass die Kosten für einen Arbeitsplatz zusammen mit der Kapitalintensität ständig steigen. Mit anderen Worten: Die toten Vorauskosten für das Produktionskapital können nicht mehr aus den laufenden Gewinnen finanziert werden. Deshalb der Zugriff auf den Kredit, um das wachsende Sachkapital bezahlen zu können. Im 20. Jahrhundert hat sich das Verschuldungsproblem vom Produktionskapital auf den Staat und die privaten Haushalte ausgedehnt. Auch die Staatsausgaben für Infrastrukturen und der private Konsum sind nicht mehr durch laufende reale Einnahmen zu finanzieren, sondern nur noch auf Pump.
Die Mega-Verschuldung auf allen Ebenen ist aber nichts anderes als der Vorgriff auf zukünftige Gewinne, Löhne und Steuern aus realen Produktionsprozessen. Dieser „Zukunftsverbrauch“ wird zur allgemeinen Krise, wenn er zu weit vorgeschoben wurde und die Kreditketten reißen. Das gilt für alle Akteure, also auch für den Staat. Nun ist die Rede von „Defizitsündern“ und unseriösem Finanzgebaren. Wir dürften nicht auf Kosten der zukünftigen Generationen leben, so heißt es. Nötig sei eine neue „Hausvatermoral“ mit eisernem Sparwillen. In Wirklichkeit werden aber nicht zukünftige Lebensmittel, Kleider, Wohnungen und Geräte verbraucht, sondern allein zunehmend illusorische zukünftige Geldeinnahmen, um aktuell reichlich vorhandene materielle Ressourcen überhaupt noch einsetzen zu können.
Diese Absurdität verweist darauf, dass der Kapitalismus ein Selbstzweck abstrakter Geldvermehrung ist und nichts mit einer effizienten Befriedigung der Bedürfnisse zu tun hat, wie seine Apologeten behaupten. Geld ist keine reale Ressource, sondern die fetischistische Form der realen Ressourcen. Und die globale Schuldenkrise ist das Resultat des verzweifelten Versuchs, durch aufgeblähten „Zukunftsverbrauch“ von nie mehr kommenden Geldeinnahmen die gewaltigen Produktivkräfte in den Grenzen des kapitalistischen Selbstzwecks gewaltsam festzuhalten, obwohl sie längst darüber hinaus gewachsen sind. Weil der Kapitalismus seine eigene Zukunft schon verbraucht hat, sollen wir jetzt schlechter leben und intakte Ressourcen bis hin zur medizinischen Versorgung herunterfahren. Nicht nur in Griechenland ist die Schmerzgrenze bereits erreicht. Aber das gesellschaftliche Bewusstsein hat es noch nicht gelernt, die „entwerteten“ Ressourcen nach einer anderen Logik einzusetzen.
erschienen im Neuen Deutschland
am 10.01.2011

Robert Kurz


vendredi 14 janvier 2011

L’ Anticoncept

Le génie c’est ce que nous avons tous quand nous refusons de faire mieux pour faire autre chose. Quand nous refusons seulement d’avoir du talent.”
Gil Joseph WOLMAN (1964)
“Dans l’histoire du cinéma expérimental, 1951 apparaît aujourd’hui comme une année charnière, celle de la création des premiers films lettristes : “Traité de bave et d’éternité” d’Isidore Isou, “L’Anticoncept” de Gil J. Wolman et “Le film est déjà commencé ?” de Maurice Lemaître.
Gil Joseph WOLMAN (Né en 1929 – Paris, France. Décédé en 1995 – Paris, France) :
En 1951, “Wolman réalise un film, L’anticoncept, qui prend acte de la destruction de l’image par le cinéma lettriste et réduit le film « à l’utilisation de sa quintessence : le mouvement ». Dans L’anticoncept, il créé un mouvement primaire qui couvre totalement l’écran, constitué par un ballon sonde, où alterne le noir au blanc ; la bande sonore est un long poème non-narratif entrecoupé de « mégapneumies », nouvelle poésie du souffle. Ayant fait scission d’avec le Lettrisme d’Isidore Isou en 1952, Gil Joseph Wolman fonde alors l’Internationale lettriste avec Guy Debord 1) : outre un Relevé d’ambiances urbaines au moyen de la dérive, il rédige avec lui en 1956 le Mode d’emploi du détournement qui fait suite à ses travaux de découpage de textes préexistants pour composer ses propres œuvres (J’écris propre, 1956). Exclu de l’Internationale lettriste en 19572, Gil Joseph Wolman entreprend en 1959 un nouveau travail plus résolument pictural, incluant des matières plastiques, des cirages, des papiers mâchés dans lesquels il inscrit des écritures et des graffitis. Avec l’Art scotch commence, en 1964, la période la plus prolifique du travail de Gil Joseph Wolman : il s’agit pour l’artiste d’utiliser des bandes adhésives pour arracher dans les journaux et les revues des fragments de textes et d’images qui restent inscrits dans la colle.3

Préface




L’Anticoncept (1951) de Gil Joseph Wolman (1951) -60mn, 12sec (french no subtitles). [via Tofu Magazine]
Projeté pour la première fois le 11 février 1952 au cinéma-club “Avant-Garde 52″ sur un ballon-sonde, le film fut censuré après plusieurs incidents.
“De quoi s’agit-il ? D’un vaste travail de sape pour évacuer de l’écran tout concept, d’où le titre. Donc pas d’images à l’écran, ou plutôt si : une image autonome, détachée de toute histoire. Juste des scintillements de lumière blanche, renvoyés par une projection sur ballon sonde, sur fond d’improvisations “mégapneumiques” : pulsions, bâillements, râles, syllabes disloquées… ”
* Gil J. Wolman Éditions inconnues, disques et documents du vendredi 26 septembre au samedi 8 novembre 2008 — www.cipmarseille.com
Gil J. Wolman en rétropective 16/02/04 – Cinéma – Actu
* Intervention de Gil J Wolman, délégué de l’Internationale lettriste, au Congrès d’Alba, en septembre 1956 Internationale situationniste. 1958-1969. Librairie Arthème Fayard, Paris, mai 1997 (pdf)

Bibliographie
- « Défense de mourir », ouvrage paru à l’occasion de la rétrospective Gil J Wolman au Frac-Bourgogne et au Musée de l’Objet de Blois, en 2001, éditions Allia.
- Wolman, « Les inhumations », éditions Allia, 1995.

  1. Textes en performance Colloque international Genève, 27-29 novembre 2003
    “Why Lettrism?”
    Guilhem Fabre, Université Paris 7-Denis Diderot France – Gil Wolman et François Dufrêne: du récital lettriste à la performance
    Guy-Ernest Debord / Gil J. Wolman — Mode d’emploi du détournementback] Paru initialement dans LES LÈVRES NUES N.8 (MAI 1956 [by Guy-Ernest Debord and Gil J Wolman
    Potlacht #22, 9 September 1955, trans. 1997 by Luther Blisset & NOT BORED!
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  2. Frac Bourgogne [back]
  3. Cinema : film history since 1880 [back]                                                                 source

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