samedi 19 mars 2011

DAS SPIEL IST AUS

Anlässlich des Münchner Kongresses "Spiel ohne Grenzen"

Ein Schlesiertreffen der reaktionären Linken: Antideutsche Kriegshetzer, Globalisierungsleugner, Altstalinisten und nützliche Idioten geben sich ein Stelldichein der dummen Bewegungsbeschimpfung
"Ebermann: Meine Bilder sind stark von 1914 bestimmt...Gremliza: Meine sind mehr von 1940/41 bestimmt..." (Streitgespräch in der Konkret-Redaktion unter dem Titel "Bankrott der Linken?", dokumentiert in der Mai-Ausgabe 1991).
Die Lügen und dreisten Fälschungen der imperialen Kriegspropaganda bröckeln. Es geht im Irak nicht um das Niederringen einer "Weltgefahr" und es geht nicht um Massenvernichtungsmittel. Es gibt keine "chirurgischen Präzisionsschläge", wie es sie schon in den bisherigen Weltordnungskriegen nicht gegeben hatte. Es gibt keine "Schonung" der Zivilbevölkerung, sondern massenhaft Tote und Verletzte. Und es wird keine "Befreiung" der Iraker durch die US-Weltmacht geben, sondern genau wie in Ex-Jugoslawien, Afghanistan und anderswo nur die Auswechslung eines Warlord- und Mafia-Regimes durch ein anderes, willfährigeres. Man sollte meinen, es sei eine schiere Selbstverständlichkeit, daß die radikale Linke konsequent und geschlossen gegen die imperiale Kriegstreiberei auftritt. Weit gefehlt: Eine Bande von ideologischen Warlords, die sich den Anspruch der etwas anderen "kritischen Theorie" ergaunern möchte, bejubelt den Bombenhagel und fiebert mit der imperialen Sodateska. Schlimmer: Ein Teil der radikalen Linken in der BRD und in Österreich hat sich eine "Debatte" über die Legitimität dieser indiskutablen Haltung aufzwingen lassen. Den Bellizisten ist es gelungen, die linke Kriegsgegnerschaft zu ihrem braven Haustier zu domestizieren. Es wird Zeit, diesen Leuten einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen.
Lange her, nichts dazugelernt: Anfang der 90er Jahre erlebte die radikale Linke in der BRD die Geburt der sogenannten Antideutschen, für die nach der deutschen Vereinigung und dem Zusammenbruch der Sowjetunion die Weltlage auf den Stand des frühen 20. Jahrhunderts regredierte. Die Stoßrichtung war von Anfang an klar: God bless America - mit den "guten" Westmächten für die "westlichen Werte" und bürgerlichen Ideale, gegen das Phantom eines "Vierten Reiches". Die reale Globalisierung des Kapitals wurde strikt geleugnet, die neue Dimension imperialer Macht unter alleiniger Führung der USA ignoriert, der Untergang des Staatskapitalismus "nachholender Modernisierung" nie kritisch auf den Begriff gebracht.
Und alles einzig zu dem Zweck, in einer antideutschen negativen Idealwelt weitermachen zu können mit Restbeständen der linksbürgerlichen Aufklärungsideologie in den Grenzen der Subjektform warenproduzierender Systeme. An die Stelle einer Erneuerung radikaler Kapitalismuskritik auf der Höhe der globalen Entwicklung trat ein rein ideologisches Feindbild namens "Deutschland", ohne daß je das Verhältnis von kapitalistischer Gesellschaftsform und spezifisch deutscher Geschichte geklärt worden wäre. Kritik der politischen Ökonomie: Fehlanzeige. Aber auf jeden Fall: Immer wieder Anti-Hitler-Koalition, egal worum es geht, damit man innerhalb einer verewigten bürgerlichen Welt immer schon zu den "Guten" gehört und gleichzeitig den Gestus des "radical chic" zelebrieren kann.
Schon beim zweiten Golfkrieg 1991 outete sich ein Großteil der Antideutschen als "linke" Kriegshetzer. In grotesker Verbiegung der Tatsachen wurden das irakische Regime, die damalige Kohl-BRD und die Friedensbewegung unter das "Hitler"-Label subsumiert, um die in Wahrheit von der deutschen Regierung mitfinanzierte imperiale Kriegsmaschine beglückwünschen und auf hunderttausend belanglose Dritte-Welt-Kadaver scheißen zu können. Schon damals mußte die infame Lüge herhalten, Israel sei durch ein paar vorsintflutliche Scud-Raketen in seiner Existenz gefährdet, um den Zusammenbruchsregionen der kapitalistischen Peripherie die Atombombe als Geschenk der westlichen Aufklärung auf den Kopf zu wünschen.
Zwölf Jahre später halten dieselbe reaktionäre Linke und ihr Nachwuchs ein ideologisches Schlesiertreffen nach dem anderen ab, um mit einer Doppelstrategie von skrupelloser denunziatorischer Hetze einerseits und einer stalinistischen "Bündnispolitik" zwecks Mobilisierung von nützlichen Idioten andererseits die radikale Linke in der BRD zu ihrer Schafherde zu machen. Der Münchner Kongreß "Spiel ohne Grenzen" (23.-25. Mai 2003) verspricht ein vorläufiger Höhepunkt dieses Schmierenstücks zu werden. Dabei läßt sich ein ganzes Spektrum von linken Autoren und Gruppierungen gewissermaßen an der Nase vorführen. Nützliche Idioten antideutscher "Bündnispolitik" müssen freilich gar nicht zusammenpassen, Hauptsache sie sind als Repräsentationsvieh anwesend. Die Veranstaltung ist offensichtlich unter Beteiligung von Kanalarbeitern des kriegsgeilen antideutschen Propagandablatts Bahamas sowie von dessen Nachplapper- und Vorfeldorganisationen für pubertäre Mitläufer eingefädelt worden. Je mehr die versammelte Gemeinde es von sich weist, mit jener antideutschen Moon-Sekte identifiziert zu werden, desto deutlicher wird, daß ihr von eben dieser ein ideologisches Überich verpaßt worden ist wie dem Rekruten von der Kleiderkammer ein schlecht sitzender Stahlhelm.
Unter dem Vorwand, es gehe um eine Auseinandersetzung mit der "verkürzten Kapitalismuskritik" der Anti-Globalisierungsbewegung, möchte man bei sorgfältigem Draußenhalten aller Störpotentiale von kritischer Analyse den sektiererischen Konsens von antideutschen ideologischen Kriegsherren und verschämten, duckmäuserischen Kriegsgegnern als "Koalition der Willigen" im Zeichen einer anachronistischen Interpretation der Weltlage proben. Gezeigt werden soll: Seht her, einige schlaue Bellizisten und eine Reihe nicht ganz so bellizistischer radikaler Linker von Rang und Namen sind doch im Grunde einig, weil sie gemeinsam vor lauter (eingebildeter) Reflektiertheit kaum laufen können. Ein bißchen Kriegsgegnerschaft ohne Biß darf sein, wenn nur die antideutschen Kriegshetzer gleichzeitig als "ehrenwerte Linke" und als moralische Macht Anerkennung und Verbeugungen ernten.
Man hört die versammelte Schafherde schon blöken auf das Kommando der anwesenden und noch mehr der abwesenden bellizistischen Vordenker. Die sowieso halbseidene "Kriegsgegnerschaft" der Zeitschrift Konkret und des vulgärmarxistischen Politkasper-Duos Trampert/Ebermann ist in Wirklichkeit keinen Pfifferling wert. "Gegen Krieg und deutschen Frieden" tönt Konkret, macht aber wie der gesamte nach der Pfeife der proimperialen Ideologie tanzende Kongress seinen (anti)deutschen Frieden durch den gemeinsamen Auftritt mit Bahamas-nahen KriegshetzerInnen wie Stefan Grigat und Andrea Woeldike. In enger Anbindung an die Basis-Statements der bellizistischen Propaganda wird die notwendige linke Kritik der Friedensbewegung diskreditiert.
Daß die ebenso wie Konkret als Mitveranstalter auftretende Jungle World sich seit dem 11. September als Ableger der US-Armeepostille "Stars and Stripes"
unsterbliche Verdienste um die Beweihräucherung kapitalistischer Anti-"Zivilisation" erworben hat, ist sowieso allgemein bekannt. Eine Art Hyde-Park-Ecke für handzahme Kriegsgegner, die auch mal eine Frage stellen dürfen, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese "Debatte" von einem teils offenen, teils verschämten Bellizismus durchzogen ist, der sich auch in einer lauwarmen und krampfhaft ironischen Berichterstattung über die laufenden Bombardierungen und die dagegen protestierende Antikriegsbewegung darstellt.
Fehlen darf auch nicht das iz3w, jene Zeitschrift von austrocknenden Dritte-Welt-Initiativen, die sich nicht zwischen traditioneller Bewegungsorientierung und antideutschem Bewegungs-Bashing entscheiden kann. Bei einigen ihrer Autoren mischen sich offenbar die allmählich adaptierten antideutschen Hetzmotive mit dem vulgären Interesse von NGO-Lobbyisten des humanitär-industriellen Komplexes hinter den Fronten der imperialen Weltordnungskriege. Aus diesem Stall kommt schließlich auch das unerträgliche Autorengespann Uwer/Osten-Sacken, die mit penetranter Regelmäßigkeit auch Konkret und Jungle World vollsudeln dürfen mit ausgesuchten Räsonnements darüber, wie den Irakern mittels Marschflugkörpern "Demokratie" und "zivile Verkehrsformen" geschickt werden sollen. Eine derart von jeder Bedingungsanalyse kapitalistischer Verhältnisse unbeleckte "Argumentation", deren Peinlichkeit noch vor wenigen Jahren in der linksradikalen Szene und Dritte-Welt-Bewegung nicht einmal mehr Verachtung ausgelöst hätte, wird nun mit dem Ernst von Erstklässlern "zur Debatte" gestellt. Wenn man in diesem Dunstkreis alles vergessen will, was man schon einmal gewußt hat, dann vielleicht aus dem sehr banalen Grund, daß sich die NGO-Lobby, wenn sie im zerbombten Irak zum Zuge kommen will, diesmal zur Gesinnungsprüfung bei der US-Militärverwaltung anstellen muß.
Es lohnt sich gar nicht, die Aufzählung fortzusetzen. Wenn diese Ansammlung von bellizistisch kontaminierten Dampfplauderern linksbürgerlichen Krisenbewußtseins etwas eint, dann ist es die rückwärtsgewandte Perspektive, denn die Geschichte ist für sie im Jahr 1945 zum Stillstand gekommen. Ausgerechnet diejenigen, die von einer positiven "kapitalistischen Zivilisation" faseln, die es nie gegeben hat, ausgerechnet diejenigen, deren Kapitalismusanalyse auf dem Niveau des Ersten Weltkriegs sitzen geblieben ist und die den Begriff des transnationalen Kapitals in Anführungszeichen setzen, um ihre eigene Ignoranz zu dokumentieren, ausgerechnet diejenigen, die an der kapitalistischen Subjektform ideologisch kleben wie die Fliege am Leim und die keinen Unterschied kennen wollen zwischen der Marxschen Theorie der Überakkumulation und der politischen Ökonomie des Antisemitismus, um ihre denunziatorische Giftspritze beliebig gegen unliebsame krisentheoretische Reflexionen richten zu können - ausgerechnet diese Leute besitzen die Dummdreistigkeit, über die sozialen Bewegungen zu Gericht sitzen zu wollen. Dabei schreckt man nicht einmal davor zurück, zusammen mit einem Gespenst der fossilen altstalinistischen Münchner ML-Sekte "Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD" (Streitbarer Materialismus) auf dem Podium Platz zu nehmen. Was für eine erlauchte Kollegialität, um der "verkürzten Kapitalismuskritik" der Bewegungen im Jahre 2003 auf die Spur zu kommen!
Es ist die typische Haltung des unwahren Sektenbewußtseins, wenn ihm die Felle davonschwimmen: Jede Bewegung, die eine manipulierbare und organisatorisch einzäunbare Masse überschreitet, wird als Feind behandelt. Die Selbstverständlichkeit, daß aus den kapitalistischen Widersprüchen heraus entstandene soziale Bewegungen erst einmal von einer "verkürzten Kapitalismuskritik" getragen werden, wird so nicht Anlaß zur weitertreibenden theoretischen Kritik, sondern zur schäumenden propagandistischen Denunziation. Die antideutschen Bußprediger haben schon früher die ökologische Frage zum faschistischen Gegenstand erklärt, nun wollen sie dasselbe mit der sozialen Frage machen. Und ihre nützlichen Idioten lassen sie gewähren und wiegen dazu betroffen die leergefegten Köpfe.
Das kommt auch daher, daß diese Zusammenhänge völlig inkompatibel mit dem transnationalen Charakter der neuen Bewegungen sind. Überall sonst haben ihre Geistesverwandten wenigstens den Anstand besessen, offen zur imperialen Macht und kapitalistischen Konstitution überzulaufen, um der einstigen linksradikalen Identität abzuschwören. Einzig die Antideutschen in Deutschland und Österreich bilden das Unikum, den proimperialen Bellizismus mit einem Anspruch "radikaler Kritik" verbinden zu wollen. Eine derart absurdes Konstrukt ist schon in den europäischen Nachbarländern völlig unverständlich, umso mehr in der übrigen Welt. In Wahrheit ist die grotesk amalgamierte antideutsche Identität die nationalste von allen, sie repräsentiert den tiefsten deutschen Provinzialismus in Bezug auf die weltweiten Bewegungen.
Die antideutschen Bellizisten und ihre Bündnisidioten wollen vom transnationalen Charakter der kapitalistischen Entwicklung nichts wissen und verharren intellektuell auf der Stufe der Weltkriegsepoche, weil sie selber nicht transnational sein können und wollen. Die Welt wird unter den eigenen deutschen Mief subsumiert, und so stellen sich ihnen die Millionen von Antikriegs- und Antiglobalisierungs-Demonstranten in New York und Washington (unter Beteiligung jüdischer Organisationen), in London und Madrid genauso wie die in Berlin als lauter identische Manifestationen desselben faschistisch-antisemitischen "deutschen" Bewußtseins dar. Ein klarer Fall von klinischem Verfolgungswahn.
Worin besteht das wirkliche Problem? Das Gros der neuen Bewegungen stellen Massen von zumeist sehr jungen Leuten, die weder eine linke noch überhaupt eine "politische" Geschichte hinter sich haben. Sie sind deswegen nicht etwa ideologisch neutral und unberührt, sondern aufgeladen mit den Sozialisationen und medialen Vermittlungen des herrschenden bürgerlichen Bewußtseins, an dessen Bruchlinien sich ihre Opposition entfaltet durch die Erfahrung der schreienden Widersprüche hindurch, wie sie der globalisierte Krisenkapitalismus erzeugt. Wohin sich diese Bewegungen kurz- wie langfristig entwickeln, ist offen. In Bezug auf sie und in ihnen agieren Strömungen, Gruppen, Organisationen und Individuen mit einer bereits ausgeformten "politischen" Geschichte und/oder mit ideologischen Identitäten (von Antiimps, anderen radikalen Linken, aber auch Neofaschisten usw. bis hin zu islamistischen palästinensisch-arabischen, aber auch ganz anders orientierten Migranten-Jugendlichen). Das alles ist gar nichts Neues, sondern schon immer die Struktur von sozialen Bewegungsverhältnissen gewesen.
Es gibt dabei heute einen Druck in Richtung völkisch- oder religiös-antisemitischer Verarbeitungsformen, der nicht nur von Neofaschisten und islamistisch-migrantischen Gruppen, sondern auch von völkisch-antizionistischen und letztlich antisemitischen Verwilderungsformen eines desorientierten altlinken Antiimperialismus ausgeht, der mit dem Ende der "nationalen Befreiungsbewegungen" in der Dritten Welt gegenstandslos geworden ist und eben deshalb verwahrlost; wie ja auch sonst die Zersetzungsprodukte des Staatsmarxismus "nachholender Modernisierung" im gesamten ehemaligen Ostblock sich als nationalistisch und völkisch-antisemitisch entpuppen.
Die antideutschen Bellizisten und ihre nützlichen Idioten sind nicht die wahren Gegner dieser Tendenzen, sondern im Gegenteil ihre Helfershelfer. Sie kämpfen nicht um, sondern gegen die Bewegungen als solche, weil diese nicht nach der Pfeife der proimperialen "linken" Killer-Intelligentsia tanzen; sie unterstellen die unmittelbare Identität der Massen von kriegs- und globalisierungsgegnerischen Jugendlichen mit den neofaschistischen und völkisch-"antiimperialistischen" Trittbrettfahrern; sie betreiben eine destruktive Politik der self-fulfilling-prophecy, um die unliebsamen Massendemonstrationen mit allen Mitteln gerade so zu identifizieren, wie man sie unbedingt haben will, um sie insgesamt als völkisch-antisemitische Erweckungsbewegung denunzieren zu können und die antideutsch zu gängelnde Schafherde der linken Szene von produktiv-kritischer Einmischung abzuhalten.
Das ist kein Fehler der Antideutschen, sondern ihre Methode und überhaupt ihr Wesen. Überall, wo sich Widerstand regt, soll er erst einmal als völkisch-antisemitisch denunziert werden, um jede kritische Vermittlung von vornherein auszuschließen (selbst der Begriff der Vermittlung als solcher wurde schon als Bähwort definiert, das ein guter Antideutscher nicht aussprechen darf).
Die Antideutschen und ihre bellizistisch-proimperiale Avantgarde entstammen in Wahrheit derselben Verfallslogik altlinker Geschichte wie ihre "antiimperialistischen" Gegner; sie bilden bloß die Kehrseite derselben Medaille. In der Geschichte der Modernisierung war es die traditionelle Linke gewohnt, die jeweils "fortschrittliche" Seite der kapitalistischen Entwicklung positiv zu besetzen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist diese Entwicklung jedoch zum Stillstand gekommen, der Weltmarkt implodiert im Zuge der dritten industriellen Revolution. Die Globalisierung ist nichts anderes als die Erscheinungsform eines weltweiten Krisenkapitalismus, dessen negative Transnationalität emanzipatorisch umgestülpt werden muß. Antideutsche und Antiimps blockieren gemeinsam diesen nächsten Schritt des emanzipatorischen Denkens und Handelns.
Beide weigern sich zu realisieren, daß die kapitalistische Modernisierungsgeschichte an ihr Ende gelangt ist, daß es keinen positiven Pol kapitalistischer Entwicklung mehr "links" zu besetzen gilt. Beide krallen sich an den kapitalistischen Kategorien der Moderne, an der Subjektform "abstrakter Arbeit" (Marx) und an den Formen des warenproduzierenden Systems fest. Beide sind deshalb gleichermaßen auf vergangene Konstellationen der Weltlage orientiert; die einen auf die "nationale Befreiung" der Dritten Welt, die anderen auf die ewige Wiederholung der Anti-Hitler-Koalition. So müssen sie die absurde Alternative eines positiven Bezugs entweder auf Saddam bzw. Bin Laden einerseits oder auf Bush/Blair andererseits propagieren. In dieser falschen Polarisierung wird kein Kampf um die Zukunft ausgetragen, sondern einer um die Vergangenheit. Die radikale Linke gewinnt so keine eigene Position auf der Höhe des historischen Prozesses, sondern sie wird zum Anhängsel verschiedener Ausdrucksformen der globalen kapitalistischen Krisenbarbarei gemacht.
Die antideutschen Kriegshetzer und ihre nützlichen Bündnisidioten versuchen dabei die Maske "radikaler Kritik" anzulegen, indem sie sich hinter einer history fiction verstecken, die mit den Tatsachen nicht das geringste zu tun hat. In ihrem Fantasy-Film schickt sich die "deutsche Supermacht" an der Spitze der EU als unmittelbares Revival des Nazi-Imperiums an, die USA im Kampf um territoriale Expansion und Einflußzonen, Rohstoffe, Märkte und Arbeitskräfte herauszufordern wie einst im Mai des klassischen Imperialismus. Mit dieser antiken "Imperialismustheorie" auf der Höhe der "verkürzten Kapitalismuskritik" eines Lenin von 1916, die ironischerweise dieselbe ist wie die ihres "antiimperialistischen" Widerparts, soll bei den Antideutschen die jämmerliche Parteinahme für den imperialen Krieg der letzten Weltmacht als Ausbund von Radikalität verkauft werden. Der Konflikt in der NATO über den Irakkrieg dient als oberflächlicher "Beweis" für das haltlose Konstrukt, ohne daß man sich noch die Mühe macht, diese Interpretation aus einer Analyse des Weltkapitals herzuleiten.
Selbst ein oberflächlicher Blick auf die Weltlage genügt, um zu erkennen, daß es sich nicht um eine traditionelle imperialistische Konkurrenz handelt. Es geht weder um nationalimperiale Ausdehnungsinteressen noch um Märkte, schon gar nicht um Arbeitskräfte, und selbst um Rohstoffe (Öl) nur im Kontext transnationaler Reproduktionsstrukturen des Kapitals. Es gibt kein Zurück des Kapitalismus hinter die Globalisierung. Ebensowenig gibt es ein Zurück hinter die gesamtimperiale Machtstruktur der NATO unter alleiniger Führung der letzten Weltmacht USA, deren Rüstungsvorsprung und militärisch-industrieller Komplex auch in Jahrzehnten von der EU nicht eingeholt werden könnte, wenn es denn dafür überhaupt einen Grund gäbe. Selbst die von ihnen beschimpften Teenie-Demonstranten können die antideutschen Nostalgiker und Kollaborateure darüber belehren, daß die Bundeswehr weltweit in die gesamtimperiale Militärmaschine eingebunden ist und eigenständig nirgendwo handlungsfähig wäre.
In Wahrheit ist der Konflikt in der NATO überhaupt kein strategischer, die Ziele sind weitgehend identisch, sondern ein taktischer und legitimatorischer innerhalb der globalen imperialen Machtstruktur. Angesichts drohender und teils schon manifester Finanzmarkt- und Währungskrisen mit der US-Ökonomie als Epizentrum setzt die militärisch konkurrenzlose letzte Weltmacht auf eine Flucht nach vorn. Der globale Kontrollanspruch soll auch unter Bruch der eigenen legitimatorischen Grundlagen (Uno, Völkerrecht, Prinzip der Souveränität etc.) auf Biegen und Brechen ebenso aufrecht erhalten werden wie der Fluß der Kapitalströme. Einige subalterne Regierungen wie die französische und deutsche schrecken dagegen vor möglichen unbeherrschbaren Konsequenzen zurück, gerade auch weil sie selbst nicht eigenständig militärisch handlungsfähig sind.
Tatsächlich spielt sich dieser taktisch-legitimatorische Konflikt nicht nur oberflächlich zwischen einigen europäischen Regierungen und der US-Regierung ab, sondern auch innerhalb der Administrationen, Interessenträger und politischen Klassen quer durch das gesamtimperiale Gefüge. Ein Teil des Bundesverbands der deutschen Industrie und das deutsche Börsen-Zentralorgan "Wirtschaftswoche" stehen ebenso hinter der US-Kriegführung wie ein erheblicher Block von "Atlantikern" in CDU, FDP und beim rechten Flügel der Sozialdemokratie. Umgekehrt kritisieren Teile der Industrie, der Politik und der Administration in den USA und Großbritannien den riskanten Kurs der dort dominierenden "Falken". Nicht nationalimperiale Mächte formieren sich gegeneinander, sondern es ist ein Konflikt um das "Wie" innerhalb des westlichen Sicherheits- und Ausgrenzungsimperialismus.
Die Bellizisten und andere Antideutsche, die sich als "radikale Kritiker" eines deutschnationalen Supermacht-Phantoms halluzinieren, stehen in Wirklichkeit stramm an der Seite der finstersten gesamtimperialen Kräfte, an der Seite der Kotzbrocken Blair und Bush, an der Seite der deutschen Hardcore-Konservativen und des aggressivsten Teils der deutschen Wirtschaftsverbände. Sie kritisieren den BRD-Apparat nicht deswegen, weil er Teil der imperialen Machtstruktur ist, sondern im Gegenteil deswegen, weil er es momentan ihrer Meinung nach nicht überzeugt und militant genug ist.
Es ist kein Wunder, daß angesichts der fortgeschrittenen globalen Krisenverhältnisse Widersprüche innerhalb des imperialen Gesamtkonstrukts aufreißen. Richtig wäre es vom Standpunkt radikaler Kritik einzig und allein, diese Widersprüche aus der Krisenstruktur der Globalisierung zu erklären, um sie bewegungspraktisch gerade auch gegen den deutschen Anteil daran voranzutreiben und das Friedensgeheuchel von Rotgrün mit der realen Einbindung der BRD in die Logik, den Interessengehalt und gleichzeitig die Irrationalität der westlich-demokratischen Weltordnungskriege zu konfrontieren.
Die Antideutschen dagegen projizieren diese Widersprüche anachronistisch auf die Weltkriegsepoche zurück, um sich offen (Bahamas u.Co.) oder implizit (der vom entsprechenden ideologischen Überich gebeutelte Rest der Gemeinde) auf die Seite der imperialen "Falken" zu schlagen. Ihre dummen historischen Analogieschlüsse sind überdies völlig inkohärent. Mal plappern sie das Märchen nach, ein abgetakelter Dritte-Welt-Diktator wie Saddam Hussein sei eine "Weltgefahr" analog zu Hitler, mal tun sie so, als würde demnächst eine neue original deutsche Nazi-Wehrmacht die Welt überfallen. Selbst rein immanent ist ihr Konstrukt völlig absurd, denn hätten wir wirklich eine Situation wie vor 1914, dann könnte eine "radikale" Position nie und nimmer darin bestehen, den "eigenen" Nationalimperialismus dadurch bekämpfen zu wollen, daß man sich auf die Seite des anderen Nationalimperialismus schlägt. Flugs wird also das Muster der Anti-Hitler-Koalition irgendwie darüber geblendet, selbst wenn die Sache hinten und vorne klemmt. Wie hätten Sie´s denn gern, Erster oder Zweiter Weltkrieg, oder beides zusammen? Nur eins kommt nicht vor: die wirkliche Weltkonstellation des Jahres 2003.
Um die haarsträubenden logischen, historischen, sachlichen Fehler und Widersprüche ihrer "Argumentation" zu kaschieren, bauen die Antideutschen eine Drohkulisse von ideologischen Identifikationsmustern auf, die sie unangreifbar machen sollen. Wer ihre lächerlichen Konstrukte widerlegt, gilt per se schon als "antiamerikanisch" und "antisemitisch".
In Wahrheit ist es eine Selbstverständlichkeit, daß das US-Zentrum der imperialen Machtstruktur und Militärmaschine von radikaler Kritik auch als solches benannt und angegriffen wird. Die Kriterien, die diese Kritik von einem kulturalistischen rechten Antiamerikanismus unterscheiden, sind erstens die Herleitung aus der Kritik und Analyse des Kapitalverhältnisses und deshalb zweitens die Konstitution dieser Kritik als anti-völkische und transnationale, zusammen mit der linken Oppositionsbewegung in den USA selbst. Die antideutschen Kriegshetzer und ihre nützlichen Idioten dagegen wollen die Kritik an der US-Militärmaschine überhaupt mit dem Odium des rechten, völkischen Antiamerikanismus versehen, und dazu paßt, daß sie die Linke und die Antikriegsbewegung in den USA ebenso maßlos denunzieren wie die Bewegungen in Europa. Sie stellen nur das seitenverkehrte Spiegelbild des völkischen Antiamerikanismus dar, indem sie die unmittelbare positive Identifikation mit dem Gewaltapparat der letzten Weltmacht verlangen und der US-Gesellschaft, deren Internierungsquote von sozialer Delinquenz mittels Knast und Straflagern heute höher ist als diejenige der Sowjetunion zu Stalins Zeiten, einen "zivilisatorischen Vorsprung" bescheinigen. Auch die Amerikaner "dürfen" nicht antikapitalistisch, sondern sollen bloß "antideutsch" sein.
Dasselbe Bild eines wahnhaften Deutungsmusters bieten die Antideutschen hinsichtlich Israels. Auch hier schlägt die paranoide, in Wahrheit autistische "totale Identifikation" ins Gegenteil um. Die Notwendigkeit, das Existenzrecht des jüdischen Staates gegen die krude antizionistische Ideologie zu verteidigen (was überhaupt nichts mit einer akuten Existenzgefährdung Israels zu tun hat), verwandelt sich in eine militante Parteinahme für die rechte Likud-Regierung. Die linke und selbst die bloß liberale Opposition ebenso wie die Antikriegsbewegung in Israel werden von den Antideutschen genauso übel denunziert wie alle anderen. Auch hier stellen sie sich an die Seite der reaktionärsten rassistischen Kräfte, an die Seite der Rabin-Mörder und ihrer Hintermänner, und besitzen noch die Chuzpe, dies als die einzig legitime "Kritik des Antisemitismus" hinzustellen. Sie maßen sich überhaupt die Definitionsmacht über den antisemitischen Komplex an, um das ominöse Etikett nach Belieben selbst in ihrem eigenen Dunstkreis verteilen oder damit drohen zu können, falls sich auch nur die geringste Abweichung vom Bahamas-Überich andeutet. Die angebliche Kritik des Antisemitismus wird so derart inflationiert und entwertet, daß sie ins Unernsthafte umschlägt und damit gerade das antisemitische Syndrom deckt.
Das von Geltungssucht und identitätspolitischem Wahn getriebene Kalkül der Antideutschen ist gar nicht mehr auf die Gesellschaft bezogen; es geht ihnen weder um Israel noch um die Menschen im Irak oder um die Verhältnisse in den USA, auch überhaupt nicht mehr um soziale Emanzipation, sondern einzig und allein um eine innerlinke Szene-Politik und "Machtergreifung". Sie wollen pure Identifikation in einem abgeschotteten Raum ideologischen Wahns schaffen. Deshalb wird auch der Antisemitismus nicht mehr aus der Gesellschaft abgeleitet, sondern umgekehrt die Gesellschaft aus dem Antisemitismus, der als negatives Totalitätsprinzip erscheint.
Das tiefere Motiv dieses Wahns ist Realitätsverlust und Flucht aus der Wirklichkeit, weil diese nicht mehr in den Paradigmen des linksbürgerlichen Aufklärungsdenkens und von Restbeständen des schon immer "verkürzten" Arbeiterbewegungsmarxismus darstellbar ist. Die Antideutschen krallen sich am "bürgerlichen Erbe" der linken Geschichte fest, wo es doch die Aufgabe radikaler Kritik wäre, sich davon loszureißen. Sie wollen "radikal" sein, aber auf dem Boden kapitalistischer Ontologie, der unter den Füßen wegbricht. Daher die Flucht in einen imaginären ideologischen Raum, daher die Identifikation mit der letzten kapitalistischen Weltmacht. Daher auch der implizite Appell an die niedrigsten wohlstandschauvinistischen Instinkte einer metropolitanen Linken, die plötzlich entdeckt, daß sie mit den Boutiquen von New York mehr verbindet als mit den Ruinen von Kabul. Und daher auch der relative Erfolg in den linken Szene-Biotopen, die sich von den Antideutschen gerne "irritieren" lassen, weil damit ihre klammheimliche westlich-kleinbourgeoise Ich-AG-Identität angesprochen und in der neuen Weltkrise als Programm abgerufen wird.
Angesichts einer derart entmündigten und zur Schafherde degradierten radikalen Linken, die sich von den antideutschen Claqueuren des imperialen Massenmords überall hintreiben läßt, kann sich nur noch ein Gefühl einstellen: Ekel. Aber ist wirklich die gesamte radikale Linke in der BRD und Österreich mit kritischem Anspruch gegenüber dem traditionellen Antiimperialismus moralisch und intellektuell derart versaut und verkommen? Ist es nicht vielmehr eine Minderheit von Bellizisten und ihren nützlichen Idioten, die mit triefender Impertinenz das Maul aufreißen und publizistische Schlüsselpositionen besetzt haben, im Vertrauen auf den Trägheitseffekt und die schafsmäßige Duldsamkeit einer Menge von linken Aktivisten und Zwangslesern ihrer Postillen, die eigentlich ganz anders denken? Das läßt sich nur feststellen, wenn die konsequenten Kriegsgegner und radikalen Kritiker der kapitalistischen Anti-"Zivilisation" endlich mobil machen.
Schluß der "Debatte" mit sämtlichen Hardcore- und Softcore-Bellizisten! Der Bellizismus ist nicht satisfaktionsfähig. Die Zeit ist überreif, nach dem inhaltlichen auch den formalen Trennungsstrich zu ziehen. Die radikale Linke im deutschsprachigen Raum wird sich auch publizistisch neu formieren müssen, wenn sie je wieder von dieser Seuche loskommen will. Schluß mit allem Liberalismus und aller Duckmäuserei, Schluß mit allem biedermännischen "Verständnis"-Getue gegenüber den antideutschen ideellen Provinzdeppen, von denen die deutsche und österreichische Linke in aller Welt zum Gespött gemacht wird! Wenn jetzt nicht endlich ein Erdbeben in dieser linken Landschaft stattfindet, dann kann man die radikale Gesellschaftskritik hierzulande für die nächsten Jahre vergessen, dann werden die sozialen Bewegungen verpuffen und von den völkisch-antisemitischen Ideologemen ausgelaugt - gerade durch die antideutsche Paralysierung der Linken.
Was lange gärt, wird endlich Wut: Macht kaputt, was die radikale Linke kaputt macht - denunziert die Denunzianten! Es geht nicht darum, der Logik des linken Sektenwesens, des vergifteten Kleinklimas, der selbstzerstörerischen Identitätspolitik und der Herrschsucht von Gurus neue Nahrung zu verschaffen. Es geht im Gegenteil darum, mit dieser Logik ein Ende zu machen, die bei den antideutschen Demagogen eine neue Qualität angenommen hat und sogar noch die kafkaesken Zustände in den K-Gruppen der 70er Jahre übertrifft. Es geht darum, die von den Bellizisten aufgebaute byzantinische Atmosphäre der gierigen Verdächtigungen und des hemmungslosen Hintertreppen-Machiavellismus zu bannen. Die notwendige Kritik des Antisemitismus, auch des "linken", alt-antiimperialistischen, ist eine zu ernste Angelegenheit, als daß sie dem Willen zur Macht von selbsternannten antideutschen Lynch- und Femegerichten überlassen, inflationiert und verbraucht werden dürfte. Es ist eine Frage der Selbstachtung und der Selbsterhaltung für die radikale Linke, daß sie den von den Antideutschen direkt und osmotisch verbreiteten Bellizismus ächtet und die konsequente Kritik von völkisch-antisemitischen Tendenzen ohne und gegen diese Paranoia-Politiker in die Hand nimmt. Der Kampf gegen die braune Pest darf nicht bellizistisch entwertet werden. Gleichzeitig muß sich die radikale Linke von der erstickenden Atmosphäre befreien, die den überfälligen Diskurs zur Reformulierung der Kapitalismuskritik für das 21. Jahrhundert lähmt, weil die antideutschen Bellizisten, Kollaborateure und Nostalgiker alle Fragen der Theoriebildung denunziatorisch aufgeladen haben, selbst wenn der Bezug zu ihrem reduktionistischen Weltbild an den Haaren herbeigezogen ist.
Es kann natürlich sein, daß es für diesen Aufruf bereits zu spät und die falsche, fatale Polarisierung innerhalb der Linken zwischen völkisch-antizionistisch und antisemitisch heruntergekommenen "Antiimperialisten" einerseits und antideutschen, proimperial-kriegshetzerischen Helfershelfern der kapitalistischen Weltmachtmaschine samt deren nützlichen Bündnisidioten andererseits zu weit fortgeschritten ist. Diese beiden Pole desselben anachronistisch verhärteten Bewußtseins einer unwiderruflich vergangenen linken Geschichte werden auch gemeinsam untergehen und vielleicht einen Großteil der intellektuell ausgepowerten, unwahr gewordenen linksradikalen Szene-Biotope mit sich reißen. Es gibt Situationen, in denen es zukunftsträchtiger ist, lieber einsam zu werden als mit den Schafen zu blöken und mit den Fröschen zu quaken.
Aber es gibt auch Zeichen der Hoffnung, zum Beispiel den bundesweiten Schulstreik gegen den Krieg. Vielleicht sehen wir die ersten Lebenszeichen einer neuen Bewegungsgeneration, die schon bald beide Fossilien gleichermaßen so alt aussehen lassen wird, wie sie wirklich sind. Es wird ein Leben radikaler emanzipatorischer Kritik geben jenseits der vergangenheitsfixierten Paradigmen und Interpretationen, wie sie heute jene linksradikalen Publikationsorgane zumüllen, die sich selbst überlebt haben. Die wandelnden Leichen von anachronistischem Vulgärmarxismus und bürgerlicher Aufklärungsideologie haben keine andere Zukunft als den Sarg, in den sie von Rechts wegen hineingehören.
Für die kritische Solidarität mit der Antikriegsbewegung und den Bewegungen gegen die kapitalistische Globalisierung hier und überall auf der Welt, für die neue transnationale Solidarität von unten, für die Solidarität mit den jüdischen Antikriegsdemonstranten von New York und mit der gesamten Oppositionsbewegung in den USA, mit der israelischen Linken, mit den Millionen von Demonstranten in London, Paris, Rom, Madrid, Berlin! 
28.03.2003
Die eigenständige Vervielfältigung und Weiterverbreitung dieser Stellungnahme ist erwünscht.
Robert Kurz, mit Unterstützung von Redaktion "Krisis" und Redaktion "Streifzüge". 

vendredi 18 mars 2011

Le Temps du SIDA

Réédition du livre avec une nouvelle préface.
Selon le Rapport sur l’épidémie mondiale de sida 2008, quelque 25 millions de personnes sont mortes du sida depuis le début de l'épidémie, dont 2 millions en 2007 (vingt bombes d'Hiroshima). 33 millions de personnes vivantes étaient infectées en 2007. Leur nombre global a régulièrement augmenté, car de nouvelles infections se produisent chaque année et continuent à surpasser le nombre de décès dus au sida. L’Afrique australe est encore la région la plus touchée par le sida : 35% des infections et 36% des décès dus au sida en 2007 s'y sont produits .
Dans l’ensemble, l’Afrique subsaharienne abrite 67% de toutes les personnes contaminées. Dans sept pays d’Afrique australe (Afrique du Sud, Botswana, Lesotho, Namibie, Swaziland, Zambie et Zimbabwe), plus de 15% des adultes sont séropositifs.
En Asie, on estime à 5 millions le nombre de séropositifs en 2007, chiffre qui comprend les 380 000 personnes nouvellement infectées cette année-là. Quelque 380 000 personnes sont décédées de maladies liées au sida. Les épidémies en Indonésie, au Pakistan et au Viet Nam sont en croissance rapide. Au Viet Nam, le nombre de personnes infectées a plus que doublé entre 2000 et 2005. Les nouvelles infections sont également en augmentation régulière dans des pays très peuplés comme le Bangladesh et la Chine.
Le nombre d'individus infectés en Europe orientale et en Asie centrale a atteint 1,5 million en 2007 ; près de 90% des personnes infectées vivent soit en Fédération de Russie (69%) soit en Ukraine (29%). 110 000 personnes dans cette région ont été infectées en 2007, alors que 58 000 environ mouraient du sida. L’épidémie en Fédération de Russie (déjà la plus importante de la région) poursuit sa croissance. En Ukraine, le nombre de nouveaux diagnostics annuels de séropositivité a plus que doublé depuis 2001. Les chiffres annuels des nouveaux diagnostics notifiés sont également en hausse en Azerbaïdjan, en Géorgie, au Kazakhstan, au Kirghizistan, en Ouzbékistan (qui connaît maintenant l’épidémie la plus forte d’Asie centrale), en Moldavie, et au Tadjikistan.
En Amérique du Nord, le nombre de personnes vivantes infectées est en augmentation. En Europe occidentale, les nouveaux diagnostics de séropositivité sont en hausse, tout comme le total des personnes vivantes infectées.
Les jeunes entre 15 et 24 ans représentent environ 45% des nouvelles infections à l’échelle mondiale. 370 000 enfants de moins de 15 ans ont été infectés en 2007. Le nombre d’enfants de moins de 15 ans vivants contaminés est passé de 1,6 million en 2001 à 2 millions en 2007. Près de 90% d’entre eux vivent en Afrique subsaharienne.
Les mesures préventives et l'accès accru à la trithérapie ont permis de ralentir l'épidémie mondiale de sida, en aucun cas de l'éradiquer ou de guérir les malades. « Les mesures préventives proposées visent exclusivement à empêcher tout contact avec le H.I.V., et en aucune manière à réduire les effets immunodépresseurs de la malnutrition, de la pollution, du délabrement psychosomatique occasionné par la vie moderne, causes réelles de la récente flambée épidémique (...) Dans de telles conditions, on peut être assuré que seul un bouleversement considérable de ce système pourra réduire les cofacteurs de l'épidémie de sida. Bouleversement tel qu'il ne s'agit de rien de moins que d'un effondrement complet de notre actuelle civilisation. »

D'UN EFFONDREMENT

« Il ne sera pas dit qu'une mort honorable ait terminé la vie de celles qui versaient l'opprobre sur ma mère et sur ma
propre tête. »
Odyssée, chant XXII
 
Texte, paru chez Allia en 2001, extrait VII
Comment mieux caractériser les moments historiques que nous vivons...
 
PRÉFACE À UNE HISTOIRE DÉRAISONNABLE

Quiconque a observé la putréfaction d'une charogne peut se faire une idée de l'effondrement d'une civilisation. Des changements de couleurs, des suffusions violacées, des lividités paraissent par endroits, puis se généralisent, quoiqu'elles restent toujours plus accentuées dans certaines zones de repli. En même temps, une odeur épouvantable, de plus en plus insoutenable, se répand alentour. Les formes, au début inchangées, se modifient pourtant, mais localement d'abord, sans que se devine le travail de corruption qui prépare l'effondrement général. Ailleurs, au contraire, des affaissements partiels, assez brusques, des bouffissures œdémateuses, des enflures monstrueuses signalent ou annoncent des éclatements limités. Mais, sous la forme en décomposition, une vie nouvelle commence à sourdre et à se diffuser grâce au travail ardent des vers et des agents de dissolution, qui se multiplient et pullulent, une vie nouvelle issue de la vie ancienne, qui se répandra enfin au dehors pour alimenter d'autres corps à travers de multiples et très savantes digestions.
Dans l'époque de désagrégation où nous sommes engagés, beaucoup de choses que nous avons aimées s'effondrent maintenant, et des pleureuses très sincères suivent leurs propres corbillards. D'autres, que nous aimions moins et jusqu'alors discrètes, s'enflent monstrueusement avant de disparaître à leur tour. Dans ce désastre, une vie nouvelle, sous quelques aspects d'abord horribles, commence à pulluler, qui naît spontanément de toute mort et qui n'est rien d'autre que la vie elle-même sans spécificité, délivrée des connexions et des pièges qui l'enchaînaient auparavant.
Cette vie accède à la conscience de soi dans le moment historique où tout s'abîme : les agonisants connaissent bien cette conscience de soi vivant, cet éblouissement de la vie par elle-même, comme divinité unique et méritant seule attention, respect et ferveur. Tout le reste s'est déjà écroulé pour eux dans le ridicule, idoles tombées dans la poussière et poussière elles-mêmes.
Quand cette conscience parvient à un certain degré de netteté, c'est-à-dire quand rien d'autre n'existe désormais qui puisse capter la vigilance, cette vie ne se laisse plus limiter à une quelconque individualité. Elle se reconnaît universelle, et tout ce qui paraît spontanément se découvre comme forme possible du développement multiple d'une vie unique que chacun éprouve en soi, comme l'éclosion kaléidoscopique de cette unicité.
Un tel développement multiforme suit pourtant des cheminements précis et toujours semblables, expressions répétées de la même loi vivante. Sous un certain angle, la structure de la biosphère est identique à celle des êtres qui la composent, et eux-mêmes à chacune de leurs innombrables cellules. Cette structure dynamique peut même être perçue intimement à travers nos propres mouvements émotionnels, intellectuels, idéologiques, comme aussi à travers la succession rythmée des civilisations. Et toutes ces formes vivantes manifestent individuellement et collectivement la même loi universelle. Chacune représente simultanément la totalité du vivant et une de ses parties. Tout cela, que Le Temps du Sida a déjà rappelé et développé, était autrefois évident, et la tradition chrétienne, par exemple, faisait de « l'homme » un « frère » et un « membre » du « fils de l'homme » : voilà qui dépasse certainement l'entendement bien réformé d'un logicien actuel, dialecticien ou pas.
Cette conscience de l'univers et de soi-même impose évidemment des relations sociales toutes différentes de celles qu'exige une civilisation marchande. Chacun s'y reconnaît simultanément comme expression totale et partielle de la vie collective ; je suis partie de l'autre comme il est partie de moi-même : mon enfant, ma sœur, mais encore ma mère et mon amante.
Quand aucune idole n'est plus tolérée face à l'éblouissement de la vie elle-même, aucune façon d'être, de sentir ou de penser n'a, plus qu'une autre, de légitimité absolue. Toute perception du monde et de soi-même y est respectée, sans qu'un quelconque étalon n'y affirme a priori sa suprématie. Dans une telle organisation sociale, aucune « égalité » ne peut se justifier évidemment : seulement de fascinantes disparités, théoriques et pratiques, dont la conjonction reforme l'unité principielle. Et même la raison marchande y retrouve sa place, relative, et son utilité dans son domaine particulier.
Toutes ces formes de pensée, toutes ces expériences individuelles devront concourir bientôt à l'élaboration de nouvelles connaissances. Et celles-ci inspireront en retour une activité pratique d'aménagement du monde et de transformation individuelle : c'est-à-dire une science et un art qui retrouveront leur ancienne dignité, perdue depuis quelques siècles, une science qui connaîtra son sujet, le sujet du monde lui-même, et un art qui revendiquera comme objet l'univers tout entier.
Nous n'aurons plus, certes, avant longtemps, le bonheur douteux de revoir une Athènes ou une Florence, ces orgueilleuses cités marchandes du passé, avec ce qu'elles nous ont laissé de postulats ridicules, d'art pour collectionneurs et de démagogie. Mais nous aurons la joie certaine de voir surgir, du monstrueux chaos actuel, « une autre terre et un autre ciel ».
Texte complet ICI

jeudi 17 mars 2011

La «catastrophe finale»

Pourquoi le scénario noir n’est-il, officiellement, pas exploré, une évacuation plus large a t-elle été préparée ?
Dès le début de l’accident, il était nécessaire de réfléchir à l’abandon du site nucléaire, à l’émission massive de radioactivité en proportion des énormes quantités de matières nucléaires et radioactives qui ysont concentrées. Même si les processus de diffusion de cette radioactivité ne semblent pas être les mêmes que ceux de Tchernobyl (l’incendie du graphite du réacteur), la quantité disponible est, elle, bien plus élevée.
Quelles sont les solutions ? L’étude et la préparation de moyens d’action complètement hors normes pour limiter cette émission (on peut spéculer à loisir : un déluge de matériaux déversé par des hélicoptères, puis un bétonnage à distance…). Sur ce point, aucun interlocuteur officiel n’a accepté de raisonner à voix haute, même en «off». Les plus hauts responsables japonais, ont-ils envisagé une telle option, l’ont-ils préparée ? Mystère.
Dans un tel cas, il faut élargir la zone à évacuer pour protéger les populations. Hier matin l’Autorité de Sûreté Nucléaire, chiffrait cette zone dans un rayon de 70 kilomètres autour de la centrale, qui est en bord de mer. Les Américains allaient un peu plus loin, à 80 km (peut-être un effet des miles). Cette zone comprend la ville de Fukushima et compte plus d’un million d’habitants. Elle ne peut s’évacuer rapidement sans une organisation de fer et des moyens gigantesques. Le gouvernement japonais a t-il préparé une telle opération? Mystère.



La «gestion» de la crise nucléaire de Fukushima montre comment l’idéologie catastrophiste sert du mieux qu’il est possible les nucléocrates et tous les technolâtres qui contaminent le monde contemporain. Les écologistes catastrophistes, qui à longueur de textes et de conférences nous prédisent un monde invivable d’ici quelques décennies, au mieux un ou deux siècles, sont pris ici à leur propre piège. Il serait temps pour eux de reconnaître leur erreur et d’abandonner cette tactique politique qui confine à la démagogie, y compris chez les décroissants.

Les informations, les déclarations, les décisions prises au Japon et partout dans le monde dès les premières heures de l’emballement du réacteur no 1 de Fukushima et encore plus dans les jours qui ont suivi permettent de démonter comment fonctionne l’«administration d’un désastre». En toute lumière, se met en place le mécanisme par lequel les nucléocrates peuvent être certains de récupérer en toute occasion et à tout moment le catastrophisme d’écologistes peu conscients des réalités politiques. Précisons d’emblée qu’il n’y aura pas de «catastrophe finale», au sens où l’on parle, dans d’autres domaines, d’un «jugement dernier», c’est-à-dire une disparition instantanée et globale de l’humanité. Car rien n’est joué, à l’inverse des prédictions alarmistes qui, depuis un demi-siècle, s’effilochent les unes à la suite des autres une fois que le terme qu’elles ont elles-mêmes fixé est dépassé. La catastrophe sera graduelle, comme à Fukushima ; elle franchira un par un, parfois avec d’importants sauts dans le danger, les niveaux de l’échelle qui nous rapprocheront du désastre. Or, au fur et à mesure que les catastrophistes nous annonceront — selon l’implacable logique dans laquelle ils se sont engagés depuis un demi-siècle — les degrés suivants, les nucléocrates auront beau jeu de leur répliquer qu’en effet, il est urgent de prendre des mesures. Le fond de la réponse au catastrophisme est aussi simple que cela, et tel est en effet ce qui s’est passé depuis le 11 mars. On administre un désastre en se rangeant du côté d’un alarmisme modéré, lequel implique d’assumer des décisions difficiles — lesquelles sont de toute façon nécessaires —, en tirant tout le profit possible de ceux qui, à une extrémité, attisent le feu de l’enfer et annoncent la «catastrophe finale» sans être en mesure de rien proposer d’immédiat pour l’éviter. Tel est bien le drame des catastrophistes avec Fukushima : ils n’ont rien à proposer dans l’immédiat pour empêcher les réacteurs de fondre.
 
À l’inverse, les mesures que prend le lobby nucléaire sont très loin d’être démentes ou «catastrophiques». Ces mesures relèvent de cette administration du désastre que les nucléocrates maîtrisent plutôt bien et qui condamne le catastrophiste à assister, en spectateur, à la course vers l’abîme. Car le nucléocrate n’a pas d’autre solution, en temps de crise, que d’être d’accord avec le catastrophiste ; mieux, même : le nucléocrate se sent responsable de la situation, comme un père de famille est «responsable» de ses enfants, et il a tous les atouts en main pour cela. Les nucléocrates sont les véritables maîtres de la situation à tous les niveaux : ils sont à l’origine du progrès que certains tentent de remettre en question au moment d’une crise comme Fukushima — et donc, aux yeux des masses, ils sont ceux qui sont le plus à même de savoir ce qu’il faut faire pour conjurer le désastre. Ils sont encore ceux qui semblent les plus «responsables» au sens d’assumer des responsabilités éthiques, puisque, en cas de crise aiguë, ils sont encore et toujours les seuls à prouver qu’ils savent modifier leur point de vue, alors que les catastrophistes semblent d’éternels vaticinateurs. Et en effet, tant Tepco au Japon que l’Autorité de Sûreté Nucléaire en France avouent que nous vivons une crise majeure, et ils expliquent comment les ingénieurs tentent d’y remédier. Ils sont donc, à ce moment dramatique, forcément crédités d’un respect dû à ceux qui ont en main une part de notre destin et qui, de manière visible («spectaculaire», selon le sens donné à ce mot dans la Société du spectacle) s’imposent comme les seuls capables de faire quelque chose à ce moment précis de crise.
 
Peu importe qu’ils soient aussi les membres d’un lobby qui est la cause première de la crise. Peu importe en effet, et pour des raisons parfois fort simples, auxquelles ne pense jamais le catastrophiste. Par exemple, une centrale âgée de quarante ans a forcément été construite selon d’autres règles, en respectant des exigences que le nucléocrate dit «moindres» que celles que l’on imposerait aujourd’hui ; d’ailleurs, les ingénieurs qui ont construit Fukushima en 1971 sont à coup sûr soit à la retraite, soit décédés. La responsabilité, d’un coup, devient diffuse, sans coupable à désigner, et c’est un véritable travail politique que de montrer la responsabilité globale du lobby nucléaire. Si cela était simple, nous aurions su imposer un vrai débat sur le nucléaire voire son refus, mais les nucléocrates jouent sur le temps qui passe et qui est facteur de progrès — une évidence ô combien contestable, mais si répandue : qui n’y croit pas, à cette vulgate du progrès ?
 
Voici un autre exemple illustrant ce fait fondamental — où l’on voit que la croyance au progrès triomphe et se montre quasi inébranlable. Voici ce qui rend notre tâche, celle des opposants au progrès technologique qui détruit l’humanité et la planète, très complexe. Cet exemple se situe hors temps de crise, en France, et concerne les déchets radioactifs du centre expérimental de Cadarache. Dans le numéro 190 (février 2011) de sa revue Contrôle, l’Autorité de Sûreté Nucléaire écrit (c’est nous qui soulignons) : «Depuis l’implantation des premières installations nucléaires en France dans les années 60, la stratégie d’entreposage et de stockage des déchets nucléaires a évolué. Ainsi, certaines installations dédiées initialement au stockage définitif ont pu voir, au travers des avancées techniques et l’évolution de la politique dans le domaine, leur statut changer pour être considérées comme des zones d’entreposage temporaire. Aujourd’hui, à la demande de l’Autorité de sûreté nucléaire (ASN), ces installations qui ne répondent plus aux exigences de sûreté actuelles sont en voie de désentreposage et les déchets sont transférés vers de nouvelles zones d’entreposage dans l’attente d’un transfert vers les exutoires finaux.» La dialectique est très simple, mais pourquoi compliquer les choses si cette vision de la technologie qui progresse avec le temps se révèle la plus efficace des propagandes ?
 
Pourtant, lorsque l’article rentre dans les détails, on croit lire une mauvaise fiction : «Le stockage en tranchées avait fait l’objet d’études préliminaires sur maquette in situ […]. Chaque tranchée consistait en un volume trapézoïdal d’environ 5 mètres de profondeur, 40 mètres de long et 10 mètres de large. Creusées en pleine terre avec un fond recouvert uniquement d’une couche de gravier d’une dizaine de centimètres d’épaisseur, ces tranchées étaient remplies avec des déchets technologiques et des déchets de procédés, déclarés au moment de leur enfouissement comme “de faible activité” par les installations nucléaires d’origine. Elles étaient ensuite comblées et recouvertes par de la terre précédemment enlevée. Les déchets radioactifs les plus superficiels étaient à environ un mètre de la surface du sol et recouverts d’un remblai en forme de dôme d’au moins 1 mètre d’épaisseur.»
 
À ce stade de la lecture, l’on a du mal à imaginer l’inconscience des concepteurs, d’autant que, continue l’ASN, «ce mode de stockage a été utilisé jusqu’en 1974», que «l’assainissement de ces tranchées […] nécessite aujourd’hui d’importants moyens techniques» et que «la nature des déchets entreposés, la traçabilité des déchets stockés dans ces tranchées était à l’époque bien moindre que celle exigée aujourd’hui par l’ASN. Ainsi, la nature, l’activité, le conditionnement et le volume de ces déchets sont entachés d’incertitudes qui sont susceptibles de générer des difficultés pour la reprise de ces déchets. De plus, du fait que ces tranchées avaient initialement pour vocation le stockage définitif, les conditions d’entreposage (enfouissement en pleine terre ; conditionnement des déchets ni bloqués ni enrobés) n’avaient pas été conçues pour faciliter la reprise des déchets. […] Le stockage de ces déchets a ainsi entraîné au fil du temps la contamination d’un volume de terre au contact des déchets que le CEA estime à 3000 m3 environ», ce qui finalement est très peu mais il ne s’agit pas là de minimiser le problème ; le but est de déplacer l’attention du lecteur, car la véritable «catastrophe» dans ce stockage aberrant de déchets radioactifs consiste plutôt dans l’absence totale de prise en compte du risque à l’origine. Et voici comment le nucléocrate retourne la situation et l’emporte par K.-O. technologique : «L’ASN exige que les exploitants assument leur responsabilité première et mettent en place une gestion sûre, rigoureuse et transparente de tous les déchets. Ils doivent donc effectuer les opérations nécessaires afin de rendre les déchets compatibles avec les spécifications d’accueil des installations de traitement, d’entreposage et de stockage existantes.»
 
Le dernier mot est essentiel, à Cadarache comme à Fukushima : les administrateurs du désastre se présentent d’emblée comme les seuls capables de mettre en œuvre tout ce qu’il y a de mieux au moment actuel selon les technologies existantes. Le catastrophiste devrait être comblé, puisque le nucléocrate l’affirme : la catastrophe est possible (c’est aussi ce que dit le catastrophiste) et nous mettons absolument tout en œuvre pour l’éviter (ce qui ne peut que réjouir le catastrophiste qui prétend ne pas être suicidaire et ne vouloir qu’alerter…). La supériorité éminente du nucléocrate sur le catastrophiste ne fait aucun doute ; elle est rhétorique et concrète, immédiate, et surtout politique. Elle découle de la place même à laquelle le catastrophiste place la perspective funeste : au cœur même de son discours politique. Or, la logique de la nucléocratie est, dans ce monde-ci avec ces règles-ci, incontestable, et l’on peut perdre sa vie militante à la contester, l’on se trompera de cible. Tout cela parce que le fond du problème n’aura pas été pris en considération.
 
En effet, la possible catastrophe n’est pas le problème ; elle n’en est que l’une des manifestations plausibles. L’on ne peut être écologiste sans être «politique». L’écologie est une politique, globale au sens où elle prend en compte l’ensemble des données, culturelles, sociales, humaines, éthiques, en tout cas tout ce qui relève de la vie en premier lieu, et elle considère tout le reste, en gros ce qui appartient à l’économie et à la technologie, comme second. Or, chaque jour, trente mille personnes meurent de faim, et cela a un sens politique profond. La faim dans le monde tue environ dix millions de personnes par an, soit environ un être humain sur dix ! C’est énorme. Et cette donnée est politique avant tout. Elle est sociale, humaine ; elle a des implications éthiques ; son absence dans notre imaginaire planétaire est en soi une donnée culturelle fondamentale car cela prouve que nous pouvons tout à fait vivre alors qu’un dixième d’entre nous mourront de faim dans un monde prétendument d’abondance.
 
Fukushima relève de la politique, de l’économie, de la technologie, et d’un coup, d’un seul, cette catastrophe — car c’en est une, sans contestation possible — acquiert une dimension médiatique mondiale. C’est le spectacle dans toute son horreur, qui nous montre du vrai pour détourner notre regard du «encore-plus-vrai» : aujourd’hui, alors que le Japon est détruit par des catastrophes qui n’ont rien de naturel, des millions d’êtres humains sont directement menacés par la catastrophe majeure de l’ère capitaliste, la paupérisation absolue d’une part importante de l’humanité, qui se traduit d’abord par l’incapacité de les nourrir. Nos adversaires — et ce ne sont plus les seuls nucléocrates, mais tous les partisans d’un système de production inégalitaire et destructeur, les capitalistes pour les nommer — sont bien plus habiles que les catastrophistes. Ils savent imposer le débat exactement là où ils sont les plus forts. Et, à Fukushima, le catastrophiste est tombé dans le piège du nucléocrate.
 
Toute critique des «dérives» de la technologie sans une vision radicale et radicalement opposée au progrès technologique apportera de l’eau au moulin destructeur du capitalisme, car le fonctionnement même de celui-ci repose sur l’accumulation non seulement de moyens de production et de marchandises, mais aussi de destructions et même de catastrophes. Ni la Seconde Guerre mondiale ni aucune guerre n’ont troublé la marche du capitalisme vers sa domination globale et sans partage à l’ère actuelle. Qui donc oublie que le capitalisme était en pleine forme dans les années qui ont suivi 1945 ? Fukushima, malgré l’horreur de cette situation et le drame que vivent les Japonais, ne troublera pas davantage la marche de la technoscience vers sa domination sans partage de notre environnement. En ce sens, Three Mile Island, Tchernobyl et Fukushima, de même que la propagation des OGM sur cette planète, ne sont que l’image de la contamination de notre pensée par les catégories du Maître : la catastrophe maîtrisée — et la Seconde Guerre mondiale a débouché sur la «libération», qui est en dernière analyse la maîtrise de la folie guerrière — est le meilleur atout idéologique du Capital. On peut choisir de renforcer cet atout en criant au loup avec les loups et en ne regardant pas ce qu’est, au fond, la catastrophe réelle, ou alors en n’ayant pas le courage de la dénoncer. Car, dans un monde qui croit à ce point au développement, au confort, au progrès et à toutes les balivernes technologiques, c’est bien du courage plutôt que de l’inconscience qu’il faut pour proclamer que la catastrophe est quotidienne, qu’elle n’est pas un dommage collatéral du progrès ou du capitalisme mais son essence même.
 
Ce n’est pas la catastrophe qu’il s’agit d’éviter, c’est le système dont il nous faut sortir, et vite. Sortir du nucléaire ? Sortir du capitalisme, plutôt — donc en finir avec les guerres, les Fukushima, les Monsanto et la destruction de tant d’humanité, et le plus vite possible.
Philippe Godard - 16 mars 2011.
Fondateur, en 1975, d’un mouvement écologique affilié à la Cité Fleurie, démissionnaire dès 1978 de ce qui dérivait déjà jusqu’à devenir plus tard «Les Verts», auteur du Dico de l’écologie (2006, De La Martinière Jeunesse) et d’OGM semences politiques (2008, Homnisphères).
 

mercredi 16 mars 2011

Situation incontrôlable sur la centrale de Fukushima



Le Japon menace la sécurité mondiale !
La nouvelle crise nucléaire menace d'échapper à tout contrôle au Japon. Le personnel de la centrale de Fukushima-Daiichi, dévastée il y a cinq jours par un séisme et un tsunami, se démène dans le plus grand désordre contre la menace nucléaire. Comme la radioactivité était trop élevée pour qu'un hélicoptère de l'armée puisse déverser de l'eau sur le réacteur n° 3 afin de refroidir les barres de combustible en surchauffe rien n'a été fait. Une autre tentative pourrait avoir lieu jeudi mais on se demande comment.
Les prochaines heures seront notamment cruciales pour rétablir le niveau d'eau dans la piscine de stockage du combustible usé du réacteur n° 4 de Fukushima, sous peine de rejets radioactifs "très importants", a estimé, mercredi, l'Institut de radioprotection et de sûreté nucléaire (IRSN). Avant que la totalité du combustible usé, mais toujours fortement radioactif, ne soit totalement hors d'eau, "il faut compter un jour ou deux, puis après les rejets vont apparaître", a précisé Thierry Charles, directeur de la sûreté des usines de l'Institut.

Cette catastrophe est bien plus grave que Tchernobyl pour des raisons évidentes.
- La zone est bien plus peuplée et plus turbulente que les marais du Pripet qui sont la région la moins peuplée d'Europe (entre Biélorussie et Ukraine autour de Pripiat)
- Les conditions climato-océaniques sont caractérisées ici par des vents forts changeants et des marées forte qui portent les éléments irradiés dans tous les sens et contaminent le Japon, les océans et au-delà.
- Les six réacteurs sont un vaste ensemble radioactif et explosif plus important que Tchernobyl auquel s'ajoute un stock de combustible usagés lui aussi hors de contrôle. (Plus deux autres centrales abimées elles aussi par le tremblement de terre dont on ne parle plus...)
- Des répliques sont possible pendant encore 6 mois ce qui aggrave encore la situation sans parler de tsunamis possible sur la cote exposée. 
L'ensemble urbain de Tokyo pèse 40 millions d'habitants, c'est une des plus grandes agglomérations du monde à moins de 240 Km  et cette ville ne sera plus vivable d'ici peu de temps.
Cette première grande catastrophe  mondialisée ne sera pas suffisante pour une prise de conscience critique du capitalisme, il en faudra beaucoup d'autres.
Bien plus que l'arnaque du 11 septembre Fukushima marque les vrais débuts du troisième millénaire, le commencement d'une époque de destruction et de mort.

Après l’explosion d’un premier réacteur à la centrale de Fukushima Daiichi, un deuxième réacteur nucléaire, renfermant un combustible au plutonium hautement instable et toxique, a explosé au Japon aujourd’hui à 7h45 (heure locale) (1). Le cœur du réacteur nucléaire n°2 de la centrale de Fukushima Daiichi est entièrement dénoyé (2) depuis qu’il n’est plus refroidi, faisant craindre une troisième explosion d’hydrogène et une fusion totale du cœur (3). La présence d’un nuage radioactif a été confirmée par des mesures faites à 100 km de la centrale accidentée de Fukushima Daiichi, selon le Pentagone (4). L’agence de sûreté nucléaire japonaise a déclaré aujourd’hui que l’explosion du réacteur n°3 de la centrale de Fukushima Daiichi était due à l’hydrogène et que la direction des vents est « ouest sud-ouest » à la centrale accidentée, c’est-à-dire vers les terres japonaises (5). Enfin, la température et la pression de 3 autres réacteurs (n°1, 2 et 4) restent critiques, dans la centrale de Fukushima Daini (située à seulement 11 km de la centrale de Fukushima Daiichi) Une barre de contrôle censée étouffer les fissions nucléaires dans le cœur du réacteur n°1 de cette centrale a refusé de s’insérer.

 

La catastrophe nucléaire prend des proportions planétaires car dans un des réacteurs concerné, du plutonium est utilisé. Si la fonte intervient dans le réacteur no 3 les conséquences pourraient être véritablement catastrophiques. Les niveaux de radiation ont dépassé ce dimanche matin la limite fixée par le gouvernement, a déclaré un porte-parole de la société opératrice. Le réacteur no 3 dans lequel la fonte du cœur semble actuellement se produire est rempli d’un mélange de plutonium. Ceci pourrait conduire à une immense catastrophe. Le mélange spécial de plutonium à été introduit en août 2010 dans le réacteur, rapporte le quotidien Japan Today:

« Si un de ces réacteurs avec des noyaux de Plutonium parvient à un seuil critique et si l’enceinte est rompue, la libération d’à peine quelques kilogrammes de PU pourrait entraîner LA MORT D’UNE PARTIE SIGNIFICATIVE DE LA SURFACE DE LA TERRE. » 

De source informée: Les autorités ont apparemment pris la décision de laisser exploser le réacteur no 1 afin d’utiliser les moyens disponibles pour refroidir le réacteur no. 3. Mais cela  fut  un échec.

 Ce que l'on ne vous dit pas à la télé

The Lost Innocence of Productivity

Marx, Grundrisse: pg. 706
So-called technical progress and the constant rise in productivity are regularly presented as a potential path to the good life and the solution to all the problems of humanity. Seeing as productivity has doubled in the last 30-40 years, meaning that for the same amount of time spent working twice the amount of goods are produced now than in the 1970s, it follows that we have since made great strides towards achieving a life of plenty. Of course any person who asserted this in the face of today's simultaneous and mounting environmental, resource, economic and financial crises would be justly regarded as a dreamer. So something in the calculation and it's promise isn't right.
Where does the error lie? A first indicator towards an answer to this question is provided by a catchphrase that is often repeated in this context, namely competitiveness. The significance of productivity lies first and foremost in the act of comparison: the more productive enterprise can make and sell its products more cheaply and pushes competitors out of the market. The more productive location can even become a world leader in exports, while the less productive may have to content themselves with the collapse of their industries. To this extent it is clear that, as a rule, unequal increases in productivity do not benefit all economic subjects equally and even harms many. It is also clear that under competitive conditions increases in productivity are not simply used for a general reduction of working hours, but rather results in fewer numbers of employees producing more.
Nevertheless, this does not yet answer the question of what effect prolonged, competition-induced increases in productivity have on the global capitalist system as a whole. According to the liberal ideology of progress, which likes to employ Darwin's “survival of the fittest” or Schumpeters principle of “creative destruction,” the dynamic of competition propels not only technical but also social advancement. That this ideology has been discredited by the course of world affairs is obvious now, at the beginning of the 21st century, at the latest; perhaps less apparent are the reasons for this, which will be brought into focus in the following article.

Productivity, Value and Material Wealth

Capitalism differs from all other social forms in that another form of wealth dominates, namely the abstract or value-form wealth, which takes the form of money and is measured by the amount of time necessary for the production of commodities. Material wealth is a necessary accessory to capitalist business, but not its goal. This comprises the process of valorization, the aggrandizement of abstract wealth: I invest money in the productive process in the expectation that in the end I will have more money (surplus value). An economic activity that does not at least expect this increase in abstract wealth doesn't even happen.
This difference between the two forms of wealth is in no way self-evident. In the day-to-day affairs of capitalism it plays no role, where there is just “plain wealth.” Criticism of capitalism is at this point primarily criticism of the distribution of wealth. The political economy of marxian criticism is by contrast essentially criticism of this unique, insane and exorbitant form of wealth (see Postone 1993, pg. 26f), on whose functioning we have all made our lives dependent. However, it functions—even by its own standards—steadily less and less.
In the concept of productivity the focus rests on the quantitative relations between the two forms of wealth that were created in commodity production. At any given moment they are established, yet as Marx ascertained (Capital I, pg. 136f) they are constantly in flux:
  • does not alter the value (measured in labor time) of goods produced on any given workday
  • increases, by contrast, the material wealth produced on any given workday
  • and decreases the value of any single product as a result

The Necessities of the Production of Abstract Wealth

Capital, whose only interest is in the greatest possible accumulation of surplus value, cuts off its nose to spite its face with continuous increases in productivity, since the material expenditure necessary to attain any surplus value steadily increases. The question is, why does capital act against its own “interests.” The answer is to be found in the fact that the matter looks quite different from the perspective of the individual capitals: through competition (of enterprises, locales, national economies) the individual capitals gain an advantage and can expand their portion of the market, which gives them a productive edge over their counterparts. From this results the paradoxical situation that precisely those individual capitals that enlarge their portion of the total social surplus-value pie the most do so by reducing the total size of the pie by the greatest amount. Out of this comes the “moving contradiction” that Marx identified 160 years ago, one in which capital, by simply following its own logic, undermines the very form of wealth necessary for its existence. Anyone who fails to participate in the expulsion of labor from production is swept from the market.
Because the aim of all business in capitalism is the attainment of surplus value, which is to say that the money invested in the process of production has to have increased in the end, a functioning market economy without growth simply does not exist, for without prospects for growth no one would be economically occupied anymore. This is especially noteworthy for all those well-meaning people who say that national economies, for the sake of the environment and humanity, should get used to doing without growth in the future, but don't wish to speak of the end of capitalism.
What is it that grows so compulsively? From the perspective of capital it is abstract wealth that must grow, and with it the surplus value that corresponds to an ever larger capital stock with growing capital accumulation. In the case of increasing productivity, however, material output must grow faster than surplus value. For even a constant level of surplus value production would require material growth that corresponds to that of productivity.
The production of abstract wealth is subject to the double pressures of increasing surplus value and increasing productivity, which in turn requires an even higher rate of growth in terms of material wealth. Historically capitalism has complied with its innate growth-compulsion through two immense waves of expansion (see Kurz, 1986, pg. 30f):
  • expansion “outwards“ through the successive conquest of those branches of production that already existed before capitalism, the transfer of the working population to a state of wage-dependency and the conquest of geographical space
  • expansion “inwards“ through the creation of new branches of production and—in connection with this—new needs, through production for mass-consumption and through the penetration of the split-off “feminine” realm of reproduction.

The Internal and External Limits of the Capitalist Mode of Production

Empirically, the internal limits of capitalist production appear as a competitive crowding out of the market and structural unemployment, such as in the auto industry, whose situation was described very well in DIE ZEIT on October 16th, 2008 in an article by D.H. Lamparter, which was titled Emergency Brake [Notbremsungen]:
Alongside these internal limits the external limits come into effect with the ecological limits of growth, which have not yet been adequately recognized, as the phantasm of a “market economy without growth” shows. As early as the beginning of the 1990s Postone (1993, pg. 311f) made reference to this relationship:
The pattern I have outlined suggest that, in society in which the commodity is totalized, there is an underlying tension between ecological considerations and the imperatives of value as a form of wealth and social mediation. ... The tension between the exigencies of the commodity form and ecological requirements becomes more severe as productivity increases and, particularly during economic crises and periods of high unemployment, poses a severe dilemma. This dilemma and the tension in which it is rooted are immanent to capitalism; their ultimate resolution will be hindered so long as value remains the determining form of social wealth."
Either way, the capitalist mode of production has reached the end of its developmental possibilities as a result of its own compulsory dynamic. The global society stands before two alternatives: either to go under with it or to free itself from the pressures of abstract wealth and plan social reproduction solely according to material criteria. Then the development of productivity could regain its innocence: on one hand not every possible increase in productivity would have to be obligatorily enacted, for not every activity becomes more pleasant the faster it is completed. On the other hand it could actually be used to improve the lives of humanity.
A slightly modified version of this article appeared in: Denknetz Schweiz (Publisher): Denknetz Jahrbuch 2010.
Zu gut für den Kapitalismus. Blockierte Potenziale in einer überforderten Wirtschaft Pages 12 - 19, Edition 8, Zürich 2010

Claus Peter Ortlieb


Notes

Bibliography

Translated from German by John Carroll

mardi 15 mars 2011

Japon: les kamikazes du nucléaire

Ils seraient une cinquantaine de sacrifiés, dans des conditions folles, à jouer le tout pour le tout dans la centrale de Fukushima afin d'éviter la fusion du cœur des réacteurs.

Ils jouent le tout pour le tout. Alors que le monde est actuellement confronté à la plus grande catastrophe nucléaire depuis celle de Tchernobyl en 1986, les salariés de la centrale de Fukushima, à 250 km au nord-est de Tokyo, seraient une cinquantaine à se battre. En temps normal, ils sont 800 à travailler sur le site. Mais une partie a été évacuée. La nuit dernière, ils ont bataillé sous la neige. Leur objectif: éviter à tout prix, et ce au péril de leur vie, la fusion du cœur des réacteurs, synonyme d'émanations radioactives importantes et dangereuses pour les populations avoisinantes. Munis de combinaisons protectrices, ces hommes, qui sont de véritables sacrifiés, ont notamment pour tâche d'injecter de l'eau de mer dans le réacteur pour en refroidir le cœur. Mardi, le patron de l'Autorité de sûreté nucléaire française (ASN) leur a rendu hommage. Ces personnels sont «exposés à des conditions folles», a-t-il confié. «Affreuses», disait même Thierry Charles, le directeur de la sûreté des installations de l'Institut français de radioprotection et de sûreté nucléaire (IRSN). À Tchernobyl, plusieurs dizaines de «liquidateurs» comme on les avait appelés, étaient morts, pour certains un mois après. Les plus irradiés étant ceux qui étaient intervenus les premiers jours et qui avaient survolé en hélicoptère le réacteur en feu.

Car «la loi encadre les choses, et dire que ce sont des liquidateurs signifie que ce personnel est sacrifié». En théorie, les interventions sont limitées dans le temps et les doses maximales sont clairement définies pour ces volontaires du nucléaire. À Fukushima, face à la réalité d'une telle catastrophe, rien ne permet de dire si de telles procédures ont été respectées.

Fukushima: nouvel incendie dans le réacteur n°4

La situation dans la centrale est de plus en plus incontrôlée. Une grande partie du personnel a été évacuée. L'Europe va tester la résistance de ses réacteurs. L'incendie en cours dans le réacteur 4 s'est déclenché à 21h45, heure française. Il est annoncé en ce moment sur NHK. Le personnel ne pourrait pas l'approcher pour l'éteindre en raison des radiations trop fortes.

 

INVESTITIONSSTAU


Das Prinzip Hoffnung regiert nicht nur in Berlin. Der größte Einbruch der Weltwirtschaft in der Nachkriegsgeschichte soll auch der kürzeste gewesen sein. Als Licht am Ende des Tunnels gelten positive Zahlen im Promillebereich für das Sommerquartal, die schon wieder hochgerechnet werden. Zwar bleibt im laufenden Jahr unterm Strich hierzulande ein Absturz des Bruttoinlandsprodukts um 5 Prozent. Aber der scharfe Rückgang des Wachstums, so heißt es, sei jetzt zum Stehen gekommen. Für 2010 erwarten die deutschen Wirtschaftsinstitute wieder ein Gesamtwachstum von 1 Prozent. Allerdings wäre das auf der neuen, tieferen Ausgangsbasis nur eine stagnative Entwicklung, noch dazu belastet von faulen Bank- und Unternehmensbilanzen sowie explodierenden Staatsschulden. Wenn der berühmte selbsttragende Aufschwung längerfristig aus der Stagnation mit drohenden Rückschlägen herausführen soll, gibt es dafür einen zentralen Indikator, nämlich das steigende Investitionsvolumen. Davon ist bis jetzt wenig die Rede.
Bekanntlich wurde der Absturz zunächst durch staatliche Konjunkturprogramme aufgefangen. Ein erheblicher Teil davon floss in die Stimulation des Konsums, wofür zentral die inzwischen in der BRD und in den USA ausgelaufene Abwrackprämie steht. Staatliche Investitionen im Zuge der Konjunkturprogramme gehen in den Ausbau der Infrastrukturen (Straßen, Schulhausrenovierung etc.). Das hilft zwar der Bauindustrie und Teilen des Handwerks. Aber zusätzliche Investitionen in diesem Sektor sind kaum zu erwarten. Dafür ist das Volumen der Konjunkturprogramme zu klein, das leicht mit den während des Immobilienbooms und der vergangenen Defizitkonjunkturen aufgebauten Kapazitäten bedient werden kann. Gesamtwirtschaftlich handelt es sich bei der Mobilisierung dieser Kapazitäten überdies um Staatskonsum, der nicht aus laufenden Einnahmen gedeckt ist, sondern eben auf zusätzlichen Schulden beruht, die mittelfristig die Konjunktur eher belasten.
Es hängt also alles davon ab, ob ein autonomer Investitionsschub bei den Konzernen und auf breiterer Front bei den mittelständischen Unternehmen einsetzt. Dort beruhen die verbesserten Quartalszahlen bis jetzt allein auf Sparmaßnahmen (Kurzarbeit, Lohnsenkung, Beschäftigungsabbau), während die Umsätze in den meisten Sparten immer noch zurückgehen. Die Exporte sind in den zentralen Weltregionen um 20 Prozent gefallen. Davon betroffen sind die Grundstoffindustrien (Stahl) ebenso wie die Investitionsgüterindustrien (Maschinenbau), die Konsumindustrien (Autos) und nicht zuletzt die Transportindustrien (Bahn, LKW-Speditionen und vor allem Containerschiffe). Bei dem prognostizierten Wachstum im 1-Prozent-Bereich für die kommenden beiden Jahre bestehen also weiter gewaltige industrielle Überkapazitäten. Das gilt auch für die ganze Palette der Zulieferbetriebe und der industriellen Dienstleistungen.
Ein Wachstum, das nur auf stimuliertem Konsum beruht, ist nicht selbsttragend. Auf größere Frist schiebt primär nicht der Konsum die Investitionen an, sondern die Investitionskonjunktur den Konsum. Allein daraus kann genügend Kaufkraft im Kapitalkreislauf entstehen. Angesichts der Überkapazitäten ist aber eher mit einem Investitionsstau zu rechnen. Die von der Niedrigzinspolitik der Notenbanken getriebene Liquidität fließt nicht in reale Investitionen, sondern in die Aktienmärkte, die mit ihrem zwischenzeitlichen Höhenflug einen illusorischen Aufschwung vorwegnehmen. Der Investitionsstau ist der blinde Fleck im derzeitigen Hoffnungsdiskurs, der mit einem bösen Erwachen enden könnte.
erschienen im Neuen Deutschland
am 30.10.2009

Robert Kurz

Le Japon n'est pas viable comme notre monde




Le Japon n'est pas viable mais il a toujours été présenté comme un modèle du genre. La troisième économie de ce monde n'est pas viable et c'est ce qui éclate aujourd'hui. Une zone sismique instable et sujette aux Tsunamis qui privée de ressources énergétiques dépend de l'énergie de ses centrales nucléaires. Le résultat nous le voyons maintenant.
Comme l'interdépendance de l'économie mondialisée est complète il en découle que c'est l'ensemble économie-monde qui devient visiblement non-viable. Toute la chaine logistique folle qui balade les marchandises d'un continent à l'autre frénétiquement est bousculée par le cumul catastrophique qui atteint le Japon. "13% des équipements électroniques intégrés dans les produits grand public proviennent du Japon. Si la rupture dans la chaîne d'approvisionnement se poursuit au-delà d'une semaine il est évident que ces groupes de haute technologie vont être très affectés et ne pourront plus produire"
Et les radiations s'écoulent sur l'archipel comme au-delà, emportées par les vents et les courants marins, nul contour de la catastrophe ne peut être dessiné dans l'immédiat. Vous avez ces odieux graphiques que l'on trouve sur tous les sites éco pour illustrer la panique qui s'est emparée du Marché, de sa course insensée vers la valorisation qui s'auto-valorise. Mais Le spectacle d'un effondrement n'est pas encore l'effondrement du spectacle.
 
Debord dans ses "Commentaires" faisait quelques judicieuses remarques:
".../...« Tous les experts sont médiatiques­-étatiques, et ne sont reconnus experts que par là. Tout expert sert son maître, car chacune des anciennes possibilités d’indépendance a été à peu près réduite à rien par les conditions d’organisation de la société présente. L’expert qui sert le mieux, c’est, bien sûr, l’expert qui ment.  »
En juin 1987, Pierre Bacher, directeur adjoint de l’équipement à l’E.D.F., a exposé la dernière doctrine de la sécurité des centrales nucléaires. En les dotant de vannes et de filtres, il devient beaucoup plus facile d’éviter les catastrophes majeures, la fissuration ou l’explosion de l’enceinte, qui toucheraient l’ensemble d’une « région ». C’est ce que l’on obtient à trop vouloir confiner. Il vaut mieux, chaque fois que la machine fait mine de s’emballer, décompresser doucement, en arrosant un étroit voisinage de quelques kilomètres, voisinage qui sera chaque fois très différemment et aléatoirement prolongé par le caprice des vents. Il révèle que, dans les deux années précédentes, les discrets essais menés à Cadarache, dans la Drôme, « ont concrètement montré que les rejets — essentiellement des gaz — ne dépassent pas quelques pour mille, au pire un pour cent de la radioactivité régnant dans l’enceinte ». Ce pire reste donc très modéré : un pour cent.
Auparavant on était sûrs qu’il n’y avait aucun risque, sauf dans le cas d’accident, logiquement impossible. Les premières années d’expérience ont changé ce raisonnement ainsi : puisque l’accident est toujours possible, ce qu’il faut éviter, c’est qu’il atteigne un seuil catastrophique, et c’est aisé. Il suffit de contaminer coup par coup avec modération../..."
Comme pour Tchernobyl en 1986 nous sommes désormais loin de toute modération.

lundi 14 mars 2011

Le scénario de l’accident nucléaire majeur

Fukushima: des brèches sur l'enceinte du réacteur n°4
L'accident est désormais classé de niveau 6 sur une échelle de gravité de 7. La catastrophe aura "des conséquences régionales".
Le réacteur n°2 a été frappé par une explosion. L'enceinte de confinement est endommagée sans que l'on sache à quel niveau. Il a été évacué. Le réacteur n°4 a connu un incendie, semble-t-il maitrisé.
Les rejets dans l'atmosphère sont importants. Une hausse de la radioactivité a été mesurée tout autour de la centrale, avant de baisser à nouveau. Les autorités ont décidé d'une zone d'exclusion aérienne de 30km. Deux brèches de huit mètres de large sont apparues dans l'enceinte extérieure du bâtiment de la quatrième tranche de la centrale atomique de Fukushima Dai-Ichi, à la suite de l'incendie qui s'est déclaré dans ce réacteur. Une explosion a aussi eu lieu dans le réacteur 2.



Tokyo Electric Power a annoncé que deux explosions se sont produites sur le réacteur n 3 de Fukushima Daiichi. C’est déjà dans cette centrale qu’un réacteur avait été touché par une explosion samedi.
“Le Japon se trouve dans une situation d’une gravité inédite. Jamais plusieurs réacteurs d’une même centrale n’ont subi de telles avaries. C’est très dur pour un pays, qui a déjà tant de plaies à panser“, déclare Sophia Majnoni, de Greenpeace France. “Les conséquences restent à déterminer, mais elles peuvent être dramatiques. Le réacteur n°3 touché cette nuit fonctionne avec un combustible particulièrement dangereux, le Mox, ce qui donne une ampleur plus importante à cet accident.”
Que signifient ces explosions ?
Sans grande surprise, malheureusement, le scénario de l’accident nucléaire majeur se répète de réacteur en réacteur depuis deux jours. Le refroidissement de plusieurs réacteurs connaît des problèmes, le cœur se met alors à surchauffer, la pression et la température augmentent. L’hydrogène se concentre et provoque des explosions, qui soufflent le bâtiment du réacteur et endommagent très probablement l’enceinte de confinement protégeant le cœur, qui, lui, continue à chauffer.
“Tel que c’est parti, les difficultés de refroidissement prennent de l’ampleur et touchent les réacteurs les uns après les autres, et il est à craindre que la fusion totale du cœur de ces réacteurs ne soit qu’une question de temps“, reprend Sophia Majnoni.
Quelles conséquences ?
Difficile à dire, les autorités communiquant très peu d’informations. Ce qui est sûr, c’est que le Mox est un combustible issu du retraitement des déchets, composé de plutonium, l’un des radiotoxiques les plus puissants qui existent. Pour le Japon, c’est Areva, qui fabrique ce combustible à l’usine de Melox, à Marcoule (vallée du Rhône). Le Mox est ensuite acheminé par bateau au Japon. Une nouvelle traversée se prépare, dans le secret, pour la semaine du 4 avril, au départ de Cherbourg (Manche).
Une situation très inquiétante
Le réacteur n°1 de la centrale de Fukushima Daiichi n’est toujours pas refroidi. Le bâtiment du réacteur du n°3 vient d’exploser. Le réacteur n°2 se trouve lui aussi en grand danger. À 100 km plus au nord, la région de la centrale d’Onagawa a été placée en état d’urgence. Dans la centrale de Tokaï à environ 100 km au nord de Tokyo, un des réacteurs connait lui aussi des problèmes de refroidissement.
Et la France dans tout ça ? Le gouvernement crie cocorico !
Tout en essayant de minimiser la crise japonaise dans les médias, les ministres français prêchent en faveur du système nucléaire français. Ils nous expliquent que, contrairement aux autres pays, nous aurions une autorité de sûreté compétente et que le plus improbable aurait été pris en compte lors de la construction de nos centrales, etc. Les partisans du nucléaire nous rejouent la carte l’exception française.
“Éric Besson, Henri Guaino, Nathalie Kosciusko-Morizet : les membres du gouvernement ont un comportement indigne, ils font le service après-vente d’Areva et laissent entendre que le Japon, réputé pour sa sûreté nucléaire, avait pris des risques là où la France n’en prend pas“, note Sophia Majnoni. “Certes, la situation sismique n’est pas comparable entre ces deux pays, mais la prise de risque est réelle ici aussi. Rappelons qu’en 1999, la centrale du Blayais (Gironde) a frôlé l’accident grave lors de la tempête qui avait secoué tout le pays. Et que la centrale de Saint-Laurent, au bord de la Loire, a déjà subi deux accidents de niveau 4, avec fusion partielle du cœur, en 1969 et 1980. Avec le nucléaire, le risque zéro n’existe pas, rien n’est prévisible ni maîtrisable en cas d’accident !”

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